Islamrat: Schweinefleisch im Döner ist doppelter Betrug am Verbraucher

Nur einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass auch Döner-Buden vom derzeitigen Deklarierungsskandal betroffen sind, hat jetzt der Islamrat der Bundesrepublik Deutschland reagiert. Für die hierzulande lebenden Muslime sei das gefundene Schweinefleisch gleich in mehrfacher Hinsicht ein Skandal. Vorsitzender Ali Kizilkaya fordert nun ebenfalls schärfere Kontrollen.

Pferde- und Schweinefleisch im Döner: Die Nachricht vom weiteren um sich Greifens des Deklarierungsskandals hat sich am vergangenen Sonntag wie ein Lauffeuer verbreitet (mehr hier). Nach Supermärkten und Discountern hat es die Döner-Buden in Deutschland gleich doppelt getroffen. Das vom RTL-Magazin „Extra“ beauftragte Labor des Instituts für Produktqualität ifp hatte in einem Fall Anteile von Pferdefleisch und bei drei Proben bis zu sieben Prozent Schweinefleisch nachgewiesen. Insgesamt waren von 20 Buden in Berlin und Leipzig Proben genommen worden.

Den aus der Union kommenden Rufen nach scharfen Konsequenzen schloss sich an diesem Montag nun auch der Islamrat der Bundesrepublik Deutschland an. Das berichtet die Nachrichtenseite „Der Westen“. Vorsitzender Ali Kizilkaya verurteilte die Verwendung von Pferde- und Schweinefleisch in Dönern. Er bezeichnete das Vorgehen als einen Betrug am Verbraucher. Insbesondere gilt das in seinen Augen auch für die hier lebenden Muslime. Für sie ist die jetzige Entdeckung sogar ein „doppelter Betrug“. Denn so fehlte nicht nur der Hinweis auf verarbeitetes Pferdefleisch. Mit der Verwendung von Schweinefleisch, was ebenfalls nicht angegeben war, werden auch die religiösen Gebote der Muslime verletzt.

Stärkere Kontrolle bei Vergabe von Verbraucherschutzsiegel

Sein Appell richtete sich nun an den Staat, dessen Aufgabe es wäre, „den Verbrauchern Sicherheit zu geben“. Doch auch der Islamrat selbst wolle, so berichtet das Blatt weiter, seinen Beitrag leisten: Als Verband werde man sich zudem für stärkere Kontrollen bei der Vergabe des Verbraucherschutzsiegels „Halal“ einsetzen.

In der Türkei will die GIMDES, eine Einrichtung, die so genannte Halal-Zertifikate für Lebensmittel ausstellt, sogar noch weiter gehen. Schon Ende 2011 äußerte der GIMDES-Vorsitzende Dr. Hüseyin Kami Büyüközer, die Ansicht, dass das Parlament in seiner neuen Verfassung auch einen Artikel einbringen sollte, der es den Bürgern des Landes garantiert, Produkte erwerben zu können, die in Einklang mit ihren religiösen Überzeugungen stehen (mehr hier). Büyüközers Vorstoß kam nicht von Ungefähr. In der Türkei war zu dieser Zeit gerade ein Streit zwischen privaten Zertifizierern und dem türkischen Normungsinstitut TSE über die Zertifizierung von Halal-Produkten im Gange. Die TSE war offenbar nicht einverstanden damit, dass einige private Institute ihre Zertifierzung ohne die Zustimmung der TSE vornahmen. Bis zur Einrichtung der GIMDES fehlte der Türkei ein entsprechendes Zertifizierungssystem. Nach Ansicht der TSE sei sie jedoch die einzige legale Institution, die solche Scheine ausstellen dürfe.

Und auch andernorts schwelt das Thema bereits seit längerem: Die französische rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen machte Anfang 2012 religiös konformes „Halal“-Fleisch sogar zum Politikum (mehr hier).

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