Ergenekon-Organisation soll türkischen Rechtsextremisten getötet haben

Ein geheimes Tonband beschleunigt den Ergenekon-Prozess und erschwert die Situation von inhaftierten Offizieren, Generälen und Journalisten. Einige von ihnen sollen den Mord an einem türkischen Rechtsradikalen und einem Soldaten in Auftrag gegeben haben.

Der türkische Rechtsextremist und Drogenhändler Abdullah Çatlı und Major Cem Ersever sollen von der mutmaßlichen Untergrundorganisation Ergenekon getötet worden sein. Dies geht aus einem geheimen Tonband hervor, das Anfang Februar 2013 ins Internet gestellt wurde. In dem Tonband spricht der türkische Oberstleutnant der Spezialkräfte, Nesimi Soner Dedeoğlu. Das Oberkommando der Landstreitkräfte habe mittlerweile bestätigt, dass es sich bei der Stimme auf dem Tonband tatsächlich um Dedeoğlu handle und keine Manipulation vorliege. Das berichtet die türkische Zeitung Stargazete.

Auf dem Tonband sagt Dedeoğlu, dass es eine Parallelstruktur innerhalb der Spezialkräfte der türkischen Republik gebe, die sich Ergenekon nennt. Er wisse, was deren Aufgabe sei, kenne jedoch nicht alle ihrer Mitglieder. Im Rahmen des Konter-Guerilla-Krieges gebe es eine wichtige Regel. Man unterstütze nützliche Personen und eliminiere sie dann, wenn sie anfangen gefährlich zu werden. Deshalb seien auch Abdullah Çatlı und Cem Ersever ermordet worden. Sie seien zu gefährlich geworden. „Auch Öcalan wurde von Ergenekon benutzt. Doch ihn konnten sie nicht töten“, so Dedeoğlu weiter. Mit diesen Aussagen macht sich Dedeoğlu zu einem wichtigen Zeugen beim Ergenekon-Prozess und wurde von der türkischen Staatsanwaltschaft auch schon vorgeladen. Er hat insgesamt zwölf Jahre bei den türkischen Spezialkräften gedient. Doch seine Aussagen konnten bisher nicht stichhaltig belegt werden. Es liegen weder Dokumente, noch anderweitige Beweise vor. Im Ergenekon-Prozess befinden derzeit auch zahlreiche Journalisten in Haft (mehr – hier).

Doch wer waren eigentlich Abdullah Çatlı und Cem Ersever?

Çatlı gehörte in den frühen 90er Jahren der paramilitärischen Organisation der türkischen Rechten an und war beteiligt an mehreren politischen Morden. Einer seiner engsten Vertrauten war der ehemalige Justiz- und Innenminister Mehmet Ağar. Freundschaftliche Beziehungen hatte Çatlı auch zum italienischen Rechtsradikalen und Mitglied der Terrororganisation Ordine Nuovo, Stefano Delle Chiaie.  Berichten der Le Monde diplomatique zufolge, gehörten Abdullah Çatlı und Delle Chiaie zur paramilitärischen Organisation der NATO, die an zahlreichen Sabotageakten und verdeckten Operationen beteiligt gewesen ist.

Cem Ersever war Anfang der 80er Jahre an wichtigen Operationen gegen die PKK beteiligt und war einer der führenden Köpfe des informellen Geheimdienstes der Gendarmerie (JITEM). JITEM wurde vom Hauptangeklagten im Ergenekon-Prozess, Veli Küçük, gegründet.

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