Türkei: Starker Export-Zuwachs in Nicht-EU-Länder

Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan hält den bisherigen Ansatz der Türkei, sich kommerziell nur in Richtung Europa zu orientieren für falsch. Das Land muss sich neuausrichten. Auf einem guten Weg ist die Türkei bereits. Die Bandbreite der Exportziele außerhalb der EU wächst stetig.

„Die politischen Achsen haben sich weltweit verschoben und die türkische Achse war in der Vergangheit falsch ausgerichtet“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den türkischen Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan. Wenn man auf die Europäische Union gewartet hätte, wie könnte man dann heute über ein Exportvolumen von 152.6 Miliarden US-Dollar sprechen?, fragt er während eines Treffens mit einigen türkischen Wirtschaftsjournalisten.

Türkei konzentriert sich auf strategische Investitionen

In der Tat hat die Türkei die Spannbreite ihrer Handelsdestinationen in jüngster Zeit deutlich erweitert. Mittlerweile, so informiert das Blatt, exportiere das Land in 243 Handelszonen und erwirtschaftete somit in den vergangenen vier Jahren einen jährlichen Einnahmenüberschuss in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar. „Mittlerweile gibt es nur noch zwei Länder, in die wir nicht exportieren. Das sind die Republik Naura und Mikronesien“, informiert Çağlayan. Immer im Blick: Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei und dessen Reduzierung (mehr hier). Dementsprechend lege die Regierung großes Gewicht auf strategische Investitionen, um dieses Ziel auch tatsächlich zu verwirklichen.

Derzeit fördert die türkische Regierung vor allem lokale Investitionen und Produktionen sowohl in Haupt- als auch in den Sub-Branchen. Die Entwicklung von lokalen Produkten, insbesondere eines nationalen PKWs, seien für die Türkei äußerst prestigeträchtig, aber noch wichtiger sei es, die Importabhängigkeit von einzelnen Teilen in den Griff zu bekommen, weist der Minister auf langfristige Ziele hin. Im Bezug auf das Thema Importabhängigkeit wies Çağlayan exemplarisch auf die Produktion von Elektro-Fahrzeugen hin (mehr hier). Für die Türkei sei das ein wichtiges Unterfangen, gerade aufgrund der Notwendigkeit der Entwicklung nachhaltiger Lösungen, die von Energiequellen wie Öl und Gas unabhängig seien. Entscheidend sei aber nicht, solche Fahrzeuge herzustellen, sondern die Batterie-Technologie vor Ort zu produzieren. Das wäre fast genauso viel wert, wie die Produktion des Fahrzeuges selbst. Denn derartige Batterien würden beispielsweise auch in der Luft-und Raumfahrtindustrie verwendet werden.

Erneute Einladung an Volkswagen

Am Ende des Gesprächs ließ der Minister aber dann doch durchblicken, dass man sich von der EU, insbesondere von Deutschland, längst nicht vollständig abgewandt habe. So kündigte er an, Gespräche mit Volkswagen-Vertretern führen und das Management in die Türkei holen zu wollen. Denn hier seien die deutschen Modelle absolute Topseller. Hintergrund der neuerlichen Bemühungen dürfte jedoch die letzte Investitions-Ankündigung des Traditionsautobauers sein. Denn die Türkei fand dabei keine Beachtung.

Bereits Mitte November vergangenen Jahres hat der türkische Industrieminister Nihat Ergün die Volkswagen Gruppe dazu eingeladen, ihre Automobile künftig auch in der Türkei zu produzieren. Der Konzern schien damals nicht abgeneigt. Machte aber deutlich: Noch mangle es unter anderem an der dafür benötigten Infrastruktur (mehr hier).

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