Istanbul: Türkische Klassik soll auf die internationale Bühne

Türkische klassische Musik kommt in der Türkei zu kurz, behauptet Adnan Koç, Direktor des Konservatoriums der technischen Universität Istanbul. Das soll sich nun ändern: Ziel ist es, die internationale Musikwelt nun mit den vielfältigen Stilen der türkischen Klassik zu erobern.

An der Technischen Uni Istanbul (ITÜ) werden bei weitem nicht nur „trockene“ Disziplinen gelehrt. Die muskalische Abteilung der Hochschule gilt seit langem als kreativer Hort für die verschiedenesten Musikstile. Das Spektrum ist entsprechend breit und reicht von der türkischen Volksmusik über türkische klassische Musik bis hin zu westlichen Klängen.

Die Universität sei eine einzigartige Einrichtung, die dank ihrer unterschiedlichen Tätigkeiten eine globale Präsenz besitzte, so Professor Adnan Koç im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet. Der Direktor des Konservatoriums betrachtet seine Einrichtung als eine bahnbrechende Bereicherung für die Musikszene der Türkei. „Unsere Schule umfasst insgesamt 28 verschiedene Musik-Instrumente und viele türkische Musik-Stile“, fasst Koç zusammen. Das Ziel am Ufer des Bosporus: Türkische Musik erforschen, verbreiten und mit verschiedenen Projekten dafür sorgen, dass sie ihren Platz in der internationalen Musikwelt bekommt. So wurde erst kürzlich die türkische Langhalslaute zum Musik-Instrument des Jahres gekürt (mehr hier).

Das Musik-Konservatorium der ITÜ ist auf alle Genre-Spielarten eingestellt. Mit seinen 180 Lehrbeauftragten und 800 Studenten hat die Universität in der Türkei Pionier-Charakter und ist für all diejenigen offen, die Musik als Hauptfach studieren möchten.

Die türkische Musik wird wie ein Stiefkind behandelt

Viele der Absolventen seien mittlerweile in der internationalen Kunstszene bekannt geworden, berichtet Koç weiter. „Das Konservatorium wurde erst 1976 gegründet. Früher war es nicht möglich, ein Konservatorium wie das zu etablieren, weil die türkische Musik in der Vergangenheit einige schwere Tage erfahren hat. Jetzt ist es an der Zeit zu zeigen, wie wichtig türkische klassische Musik ist und dass sie bewahrt werden muss“, stellt der Direktor mit Nachdruck heraus.

Die Tatsache, dass es heute in der Türkei etwa 50 Konservatorien gibt, von denen sich lediglich fünf auf türkische Musik konzentriert haben, mache deutlich, dass die klassische Musik im Lande zu kurz gekommen sei. „Manchmal ist die türkische Musik wie ein Stiefkind in seinem eigenen Land behandelt worden“, sagte Koç und fügte hinzu, dass sich die Perspektive, türkisch klassische Musik als „unnötig“ zu sehen, ändern sollte.

Adnan Koc rief im Gespräch mit der Tageszeitung Hürriyet zur Unterstützung der wichtigen Arbeiten im Konservatorium auf. „Wir müssen die Musik unterstützen und sie globalisieren. Die Wirtschaft zwingt Leute, andere Arten der Musik zu produzieren. Die Absolventen, die diese Arten der Musik machen, deformieren Musik und die Frequenz der Musik“, sagte er. Dieselben Bedingungen und Gelegenheiten, die in westlichen Konservatorien gegeben sind, sollten auch in der Türkei verfügbar sein, betonte er abschließend.

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