Bücherschwarzmarkt in der Türkei: Das waren die Topseller 2012

Bestseller wie „Nar Ağacı“ von Nazan Bekiroğlu oder „Efsane“ von Iskender Pala stehen derzeit an der Spitze der türkischen Buchpiraterie. Die hiesige Polizei hat in 29 Städten rund 220.000 illegal gedruckte Bücher sichergestellt. Doch Operationen wie diese erscheinen wie ein Kampf gegen Windmühlen. Der Schwarzmarkt weitet sich immer mehr aus.

Die Liste der meist unter der Ladentheke verkauften Bücher wurde angeführt vom Werk Bekiroğlus, gefolgt vom türkischen Schriftsteller Iskender Pala mit „Efsane“ (Legende) und „Les Désorientés“ von Amin Maalouf. Auch der bekannte türkische Schriftsteller Yaşar Kemal ist in der illegalen Bücherszene beliebt. Der Verkaufsschlager des Autors ist „Çıplak Deniz, Çıplak Ada“ (Nacktes Meer, nackte Insel). Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Den Daten des Verbands der türkischen Presse und Herausgeber (BASYAYBİR) zufolge, wurden im Jahr 2012 220.000 Raubkopien in 29 verschiedenen Städten konfisziert. Daneben wurden im Zuge diverser Razzien insgesamt fünf Millionen Türkische Lira sichergestellt. Während ihrer Einsätze habe die Polizei, so heißt es weiter, eine Vielzahl von Büchern auf dem Schwarzmarkt beschlagnahmt, die gerade veröffentlicht werden sollten.  Ausgerückt waren die Einsatzteams der türkischen Polizei in den Städten İstanbul, Trabzon, Ordu, Samsun, Sivas, Adıyaman, Urfa, Mersin, Konya , Balıkesir, İzmir Manisa, Kütahya, Ankara, Sakarya, Erzincan,  Hakkari, Bursa, Düzce, Antalya, Adana, Hatay, İskenderun, Çorlu, Amasya, Erzincan, Kocaeli, Ayvalık und Tarsust. Der Präsident der Internationalen Vereinigung von Vervielfältigungsgesellschaften (IFRRO), Olaf Stokkmo, wurde während eines Besuchs in Istanbul Zeuge einer solchen Razzia. Die Türkei ist mittlerweile der zweitgrößte Pirateriemarkt nach China (mehr hier).

Longseller werden in der Piraterie zum Trend

Die aktuelle Situation in der Raubkopieindustrie schätzt der Manager Muharrem Kaşıtoğlu vom Verband der türkischen Presse und Herausgeber (BASYAYBİR) wie folgt ein: „Es gibt zwei wichtige Konzepte in der Buchverlagsindustrie: Bestseller und Longseller. Die Piraten waren bisher nur mit den Bestsellern auf dem Schwarzmarkt. Diese waren auf eine bestimmte Zeit begrenzt und wurden dann außer Acht gelassen.“ Inzwischen würde sich die Piraten-Buchindustrie jedoch für den Verkauf von Longseller interessieren, erklärt Kaşıtoğlu weiter. „Die Piraten sind mittlerweile mit einer Liste von 500 Büchern unterwegs und drucken das ganze Jahr über.“

Standards der Europäischen Union auch in der Türkei

Der Verlust für den Staat ist immens: Etwa 1,5 Millionen Lira Verlust an Steuern resultiert aus dem illegalen Vervielfältigungsgeschäft. Der Manager warnte zudem, dass solche Bücher oftmals ihren Weg in Geschäfte finden. Das sei eine Unterstützung für die Raubindustrie. Kaşıtoğlu betont, dass die Bewahrung der Rechte des geistigen Eigentums das Wichtigste wäre. Hierfür müssten die Standards der Europäischen Union auch in der Türkei sichergestellt werden. Ein weiterer Aspekt wären die digitalen Lizenzgebührenrechte der Industrie. Diesbezüglich würden erforderliche Maßnahmen getroffen werden.

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