Ehemalige Sozialministerin Aygül Özkan: Deutschland braucht mehr türkische Pflegefamilien

In europäischen Ländern, insbesondere in der Bundesrepublik, gibt es praktisch keine türkischen Pflegeeltern. Ein Umstand, der sich nach Ansicht von Niedersachsens einstiger Sozialministerin Aygül Özkan dringend ändern muss. Sie fordert dazu auf, deren Zahl deutlich zu erhöhen. Der Bedarf ist da: Derzeit leben rund 5000 Kinder türkischer Herkunft von ihren Familien getrennt in Europa.

„In Deutschland gibt es keine türkischen Pflegefamilien. Deshalb werden Kinder armer türkischer Familien, die es sich nicht leisten können, diese aufzuziehen, von Familien anderer Nationalitäten aufgenommen“, zitiert die türkische Zeitung Zaman Aygül Özkan, Niedersachsens einistige
Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. Doch es sollten, so die Politikerin weiter, türkische Pflegefamilien sein und nicht deutsche.

In einem Exklusivinterview mit dem türkischen Medium vertritt die CDU-Frau die Ansicht, dass es für Kinder türkischer Herkunft einfacher wäre, wenn sie von türkischen Pflegefamilien aufgenommen würden. In einem solchen Umfeld wäre es zudem leichter, die eigene Religion, Sprache und Kultur zu behalten. Andernfalls bestünde das Risiko, die eigene Identität zu verlieren.

Im Gespräch forderte sie deshalb türkische Familien hierzulande auf, sich der Herausforderung zu stellen und selbst Pflegekinder aufzunehmen. Entsprechende Bemühungen, die Anzahl der türkischen Pflegefamilien zu erhöhen, gebe es bereits. Wichtig sei jedoch, dass die Familien auch finanziell dazu in der Lage wären, ein Kind aufzunehmen.

Türkische Behörden fürchten Assimilation

In Europa leben derzeit mehr als 5000 Kinder türkischer Herkunft, die von den zuständigen Jugendämtern aus ihren eigenen Familien genommen wurden. Zu den wesentlichsten Gründen, so das Blatt weiter, gehörten finanzielle Probleme der leiblichen Eltern, die zum Auseinanderbrechen vieler Familien und schließlich zur Assimilation der Kinder führten. Eine Entwicklung, die schon des Öfteren durch die türkischen Behörden kritisiert wurde. Zuletzt Anfang Februar: Der türkische Vizepremier Bekir Bozdağ fürchtete, dass den türkischen Pflegekindern in Deutschland die totale Assimilation drohe. Er verlangt die Unterbringung der Kinder in muslimisch-türkischen Familien und unterstellte deutschen Behörden Fehlentscheidungen. Doch zumeist mangelt es an der nötigen Nachfrage muslimischer Familien nach Pflegekindern. Aus diesem Grund habe man bereits intensive Bemühungen gestartet, um diesen Missstand zu ändern (mehr hier).

Ausbildungsstand unter türkischen Jugendlichen verbessern

Im Zuge des Interviews appellierte die ehemalige Ministerin auch an die türkische Community. Der Schlüssel zum Erfolg in Deutschland sei ihrer Ansicht nach eindeutig die Sprache. Deutsch möglichst im frühen Kindesalter zu erlernen, sei von immenser Bedeutung. Das bestätigten auch türkische Unternehmer in Deutschland (mehr hier). „Ich glaube, dass gute Kenntnisse der deutschen Sprache alle Türen öffnen kann“, so Özkan. In diesem Zusammenhang schnitt die Politikerin auch das Thema Ausbildung an. Gerade unter türkischen Jugendlichen sollte der Aussbildungsstand verbessert werden. Deutschland brauche qualifizierte Fachkräfte. Auch hier gilt es früh anzusetzen – nämlich schon im Vorschulalter. Genau aus diesem Grund müsse auch das Bewusstsein türkischer Eltern, was die Ausbildung ihrer Kinder angehe, erhöht werden. Darüber hinaus würden Eltern aber auch eine entscheidende Rolle bei der Ermutigung ihrer Kinder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen spielen.

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