Türkei: Aleviten finanzieren ungewollt die Imame der DITIB

Die Aleviten der Türkei möchten eine rechtliche Gleichstellung mit dem Sunnitentum. Derzeit werden sie weder als eigenständige Religion, noch als Konfession anerkannt. Doch auch ihre Steuergelder fließen ungewollt in die Taschen von sunnitischen Imamen.

Die türkischen Aleviten fordern  die Anerkennung ihrer Gebetsstätten als Orte der Religionsausübung. Aleviten beten nicht in Moscheen, sondern in den sogenannten „Cemevleri“ (singular: „Cemevi“). Rechtlich strittig ist die Frage, ob es sich beim Alevitentum um eine eigenständige Religion handelt, oder um eine Konfession innerhalb des Islam? Die türkische Regierung beharrt auf dem Standpunkt, dass die Gebetstätten der Aleviten  kulturelle Zentren seien und keinesfalls gesonderte Gotteshäuser.

Auch unter den Aleviten ist dieses Thema strittig. Der kurdisch-alevitische CHP Abgeordnete, Hüseyin Aygün, will das Alevitentum als eigene Religion anerkannt haben. Doch dem stellt sich die Alevitin Sabahat Akkiraz – ebenfalls CHP Abgeordnete – entgegen. Vergangenes Jahr sagte sie, dass es eine„Provokation“ sei, das Alevitentum als Religion zu bezeichnen (mehr hier). Politiker wie Aygün wollen aus solchen Kontroversen „Profit schlagen“, so Akkiraz. Diese Worte hört Premier Erdoğan gern, denn er ist nicht nur politisch-rechtlich, sondern auch persönlich gegen die Anerkennung und rechtliche Gleichstellung von alevitischen Gotteshäusern. „Es gibt für Muslime nur ein einziges Gotteshaus, nämlich die Moschee“, zitiert ihn die Hürriyet. Die Mehrheit der türkischen und kurdischen Aleviten in der Türkei werfen Erdoğan und der AKP vor, sie seien Feinde der Aleviten.

Doch Erdoğan hat als erster türkischer Premier einen Dialog mit den Aleviten eingeleitet. Er unterstütze die Errichtung von alevitischen „Cemevleri“. Die Kommunen der AKP seien aktiv an der Errichtung jener „kulturellen“ Stätten beteiligt. Aber genau hier liegt der Streitpunkt. Sind die „Cemevleri“ nun kulturelle oder religiöse Stätten? Bei einer Anerkennung als religiöse Stätten, würden die Aleviten der DITIB gleichgestellt werden. Dann müsste der türkische Staat die Ausbildung der Religionsvorsteher, die Errichtung und Wartungskosten der „Cemevleri“ und die Ausgaben der „Cemevleri“ aus Steuergeldern finanzieren.

Das Problem der rechtlichen Gleichstellung hat auch einen finanziellen Aspekt. In die Kassen der türkischen Religionsbehörde, DITIB, werden im Jahr 2013 ungefähr 2,5 Milliarden Euro fließen. Diesen Kuchen möchte man offenbar nur für sich. Doch jener Zuschuss für die DITIB wird auch von den Steuergeldern der  Aleviten finanziert.

Mehr zum Thema:

Levent Mete: Aleviten sind nicht liberaler als Muslime
Sedat Peker: Mafioso aus Deutschland soll Massaker gegen Aleviten angestiftet haben
Erdogan in Deutschland: Zehntausende wollen gegen Menschenrechtsverletzungen protestieren

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.