Nicht zurück nach China: Ex-Guantanamo Häftling flieht in die Türkei

Einer von insgesamt sechs chinesischen Staatsbürgern, die in Guantanamo inhaftiert und 2009 nach Palau entlassen wurden, soll sich mittlerweile in der Türkei niedergelassen haben. Das bestätigte der ehemalige Präsident des winzigen Inselstaats an diesem Mittwoch.

Nach Angaben von Johnson Toribiong habe Adel Noori kurz vor Ende seiner Amtszeit Palau im vergangenen Jahr verlassen. Über den Umzug des 43-Jährigen in die Türkei, so meldet die türkische Zeitung Zaman, habe die Administration des Inselstaats im Pazifischen Ozean auch die USA informiert. Dieser habe eigene Vorkehrungen getroffen, so heißt es, das Land zu verlassen. Die Zusage, insgesamt 17 uigurische Insassen des US-Militärgefängnisses Guantanamo aufzunehmen, kam 2009 überraschend. Während Toribiong von einer humanitären Geste sprach, machten andere die Zusage von beträchtlichen Hilfsgeldern dafür verantwortlich. Appelle von Seiten der Inhaftierten gab es damals auch an die Bundesregierung.

Noori und die fünf anderen freigelassenen Männer erhielten Asyl in Palau, nachdem sie nahezu acht Jahre in Guantanamo zugebracht hatten. Zuvor waren sie im Jahr 2001 in Afghanistan und Pakistan festgenommen worden. 2008 stellte das Pentagon schließlich fest, dass sie keine „feindlichen Kämpfer“ seien, worauf hin sie nach Palau entlassen wurden.

Uiguren stammen aus Xinjiang, einer abgelegenen Region Chinas, die an Afghanistan, Pakistan und sechs zentralasiatische Staaten grenzt. Sie bilden dort die größte turksprachige Ethnie, die sich seit langen von der chinesischen Regierung unterdrückt fühlen (mehr hier). Noori und seine Landsleute gaben an, dass sie Angst davor hätten, verhaftet, gefoltert oder gar hingerichtet zu werden, falls sie nach China zurückkehren würden. China wiederum vertritt den Standpunkt, dass es sich bei den Männern um Aufständische handelt, die eine islamische separatistische Bewegung in Xinjiang anführten und fordert eine Auslieferung.

Wo ist Noori? USA hüllt sich in Schweigen

Wo sich Noori jedoch tatsächlich aufhält, darüber will Ian Moss, ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, keine Angaben machen. Zwar wisse man, dass er sich nicht mehr in Palau aufhalte, doch die diplomatische Diskussion mit einer anderen Regierung werde man nicht kommentieren. Ebenso wenig werde man sich zum Verbleib einer Privatperson äußern.

Zuvor, so heißt es in der türkischen Presse weiter, habe die lokale Zeitung Tia Belau berichtet, dass Noori in die Türkei geflohen sein, um dort mit seiner Frau und seinem Baby zusammen zu sein. Er soll über Japan ins Land gelangt sein. Doch dem Außenministerium in Tokio sollen darüber keinerlei Informationen vorliegen.

Toribiong, der im vergangenen November aus dem Amt gewählt wurde, sagte,  er sei „ein wenig besorgt über die Tatsache, dass der nächste Präsident (von Palau) die Verantwortung“ für die verbleibenden fünf Uiguren und ihre Familien habe. Derzeit leben 14 oder 15 von ihnen auf der Insel. „Ich nahm an, dass ich in der Lage sein würde, mich um sie zu kümmern und bis zum Ende meiner Amtszeit einen festen Platz für sie zu finden.“

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