Hoffen auf den neuen Papst: Davutoğlu wünscht sich Kooperation gegen Islamhass

Seit 20 Uhr Donnerstagabend ist der Stuhl des Heiligen Vaters vakant. Noch ist unklar, wer Benedikt XVI. nachfolgen wird. Doch die Hoffnungen sind groß: In der Türkei, so Außenminister Ahmet Davutoğlu, wünsche man sich eine schnelle Wahl und eine enge Zusammenarbeit mit den Muslimen, um gemeinsam gegen Islamophobie zu kämpfen.

Die Kameras im Vatikan fingen die letzten Stunden des deutschen Papstes Benedikt XVI. geradezu filmreif ein. Abschied von den Kardinälen, Abschied von Rom und hinein in einen Helikopter, der ihn vorerst in die Sommerresidenz der Päpste, nach Castel Gandolfo, gebracht hat (mehr hier).

Auch in der Türkei blieben die für die Katholischen Kirche historischen Stunden nicht unbemerkt. Kurz vor einem Treffen mit den Freunden Syriens in Rom, besuchte der türkische Außenminister Davutoğlu den Vatikan und nahm am vergangenen Mittwoch an einem Transatlantischen Essen des italienischen Außenministeriums mit Vertretern aus 34 Ländern in der Villa Madama teil.

Während seiner Visite, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, kommentierte der türkische Außenminister auch die aktuelle Situation im Vatikan. So sei es nach Ansicht von Davutoğlu nun extrem wichtig, welche Haltung der neue Pontifex zu den Themen zunehmender Rassismus in Europa sowie Islamophobie einnehme (mehr hier).

Davutoğlu: Pontifikat spielt auch eine politische Rolle

„Wir legen größten Wert auf religiöse Toleranz für die Sicherung des Friedens im Nahen Osten und in der Welt“, stellt Davutoğlu noch einmal heraus. „Wir hoffen, dass der neue Papst in der kürzest möglichen Zeit gewählt wird. [Wir hoffen, dass] er eine Haltung zugunsten einer engen Zusammenarbeit mit den Muslimen haben wird. Derzeit gibt es eine Notwendigkeit für eine solche Position in Europa mehr als je zuvor.“ Das Pontifikat, so der Außenminister, habe nicht nur eine religiöse Rolle, sondern spiele derzeit auch eine sehr wichtige politische Rolle in der Welt.

Rücktritt steht für einen Wandel im Vatikan

Interreligiöser Frieden sei heute ein entscheidendes Element des Weltfriedens. Eine solche Veränderung [die Wahl eines neuen Papstes] in dieser Zeit sei eine wichtige Änderung, die jeder genau beobachten werde. „Der Rücktritt des Papstes kam für uns alle überraschend.“ Auf der anderen Seite sei sein Schritt auch ein Zeichen für einen „Wandel“ im Vatikan. Immerhin ist Ratzinger der erste Papst in mehr als 700 Jahren Kirchengeschichte, der zurückgetreten ist.

Davutoğlu war in Rom in Begleitung des türkischen Botschafters in Italien, Hakkı Akil, und des türkischen Botschafters im Vatikan, Kenan Gürsoy. Der 85-jährige Papst hatte am 11. Februar nach acht Jahren auf dem Heiligen Stuhl völlig überraschend seinen Rücktritt verkündet. Offiziell heißt es, er gebe das Amt altersbedingt ab.

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