John Kerry: „Erdoğans Aussagen zum Zionismus sind verwerflich“

Erdoğans Gleichsetzung des Zionismus mit dem Faschismus hat für Empörung im Weißen Haus gesorgt. US-Außenminister John Kerry, der sich derzeit auf einem Staatsbesuch in der Türkei befindet, findet Erdoğans Vergleich „verwerflich“. Davutoğlu hingegen verteidigt den türkischen Premier und wirft Israel Feindseligkeit vor.

Der US-Außenminister John Kerry, der sich derzeit in Ankara befindet, sagt, dass die Aussagen des türkischen Premierministers Erdoğan „nicht nur falsch, sondern auch verwerflich“ seien, berichtet CBS News. Vergangenen Mitwoch hatte Erdoğan auf einer UN-Konferenz der „Allianz der Zivilisationen“ in Wien, den Zionismus mit dem Faschismus, dem Antimsemitismus und der Islamophobie gleichgestellt. Alle gehören in die Kategorie der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, meinte Erdoğan.

Der türkische Außenminister Davutoğlu nimmt den türkischen Premier in Schutz. Die Türkei habe zu keinem Zeitpunkt feindselige Kommentare gegen andere Staaten abgegeben. Israel selbst sei feindselig. „Welchen Grund hatten die Israelis neun unserer Staatsbürger zu ermorden?“, fragte Davutoğlu auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Kerry.

Offenbar ist die türkische Regierung immer noch erbost über den „Mavi-Marmara Vorfall“, der 2010 eine diplomatische Krise zwischen Israel und der Türkei ausgelöst hatte. Doch auch in Israel gibt es zu diesem Zwischenfall kritische Stimmen. Der ehemalige Premierminister Israels, Ehud Olmert, sagte vergangenes Jahr, dass sich Israel hätte entschuldigen müssen, um einen Kompromiss zu erzielen. Wenn er Premierminister gewesen wäre, hätte er sich „bei der türkischen Regierung und dem türkischen Volk für den Tod der Zivilisten entschuldigt“, so Olmert (mehr hier).

Währenddessen fand in Ankara ein Treffen zwischen Premier Erdoğan und John Kerry statt. Dem Treffen wohnten Außenminister Davutoğlu, der US-Botschafter Francis Ricciardone und Erdoğan-Berater Mevlüt Çavuşoğlu bei. Im Zuge der zweistündigen Unterredung ging es hauptsächlich um die Stärkung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Dabei beruft sich die Nachrichtenagentur auf Informationen regierungsnaher Kreise. Erwartete Auseinandersetzungen wegen Erdoğans Zionismus-Vergleich soll es während des Treffens nicht gegeben haben.

Mehr zum Thema:

Stellvertretender Außenminister Ayalon: Israel ist bereit für Versöhnung mit der Türkei
Zeichen der Solidarität: Türkischer Außenminister Davutoğlu am Dienstag in Gaza erwartet
Davutoğlu: Syrien profitiert von israelischer Attacke

 

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.