Türkei: Flaggenkrise und Handgreiflichkeiten beim Patriot-Einsatz der Bundeswehr

Deutsche Bundeswehrsoldaten sind bei ihrem Patriot-Einsatz in Kahramanmaraş keine willkommenen Gäste. Nicht nur die Zivilisten der türkischen Stadt beäugen die Deutschen mit Argwohn, sondern auch die türkischen Soldaten. Sie wollen den Deutschen klar machen, wer der Herr im Land ist. Doch der türkische Generalstab hat bisher noch keine offizielle Beschwerde von der Bundeswehr bekommen.

Es gibt Reibereien zwischen den in der Türkei stationierten Bundeswehrsoldaten und Vertretern des türkischen Militärs. Die Zusammenarbeit mit dem türkischen Militär sei „äußerst problematisch“, so der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus in seinem selbst verfassten Lagebericht.

Beim Türkei-Besuch des deutschen Verteidigungsministers, Thomas de Maizière, soll ein Kommandant einer türkischen Division die sofortige Entfernung von deutschen Flaggen angeordnet haben. „Die Patriot-Station befindet sich auf türkischem Boden“, soll er den Informationen der SZ zufolge als Begründung angegeben haben.

Die 300 stationierten Bundeswehrsoldaten bemängeln schlechte sanitäre Bedingungen und fühlen sich insgesamt unwillkommen. Türkische Soldaten müssen jeglichen Kontakt mit den deutschen Soldaten unterbinden. Wer dagegen verstoße, werde von den Vorgesetzten angebrüllt und gemaßregelt.

Weiterhin dürfen sich die Bundeswehrsoldaten nur in einem begrenzten geographischen Raum bewegen und außerhalb ihrer Kaserne keine Waffen tragen. Es sei sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Als eine deutsche Feldjägerin das Fahrzeug eines türkischen Generals stoppte, um die Kolonne des Außenministers durchzulassen, sei der General ausgestiegen und habe sie zur Rede gestellt. Die Feldjägerin entgegnete, was den General dazu bewog, sie auf den Boden zu stoßen, berichtet TRT Turk.

Schon zu Beginn des Patriot-Einsatzes wurden deutsche Bundeswehrsoldaten von türkischen Zivilisten attackiert (mehr hier). Offenbar sind die Deutschen in Kahramanmaraş mehr als nur unwillkommen.

Mittlerweile hat sich der türkische Generalstab zu den Vorwürfen geäußert. Derartige Vorfälle seien weder von der Bundeswehr, noch von Offiziellen des türkischen Militärs an den Generalstab herangetragen wurden. Die deutsche Bundeskanzlerin und der deutsche Verteidigungsminister haben sich bei ihren Besuchen recht herzlich bedankt für die Unterstützung die das türkische Militär den deutsche Soldaten zukommen lasse. „Die Vorwürfe entsprechen nicht der Wahrheit“, erklärt der Generalstab in einer Mitteilung.

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