Kampf gegen Aids: Haben Ärzte jetzt erstmals ein Baby geheilt?

Die Nachricht verbreitet sich an diesem Montag wie ein Lauffeuer, klingt sie doch wie das Wunder, auf das Aids-Kranke auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten gewartet haben: Ein Baby, das mit HIV zur Welt kam, konnte jetzt offenbar geheilt werden. Ein Schritt, der vor allem bei der Geburt infizierten Säuglingen von immensem Nutzen sein könnte.

Die kleine Sensation, die Ärzten bei einer kleinen US-Bürgerin gelungen ist, resultiert wahrscheinlich aus einer massiveren und schnelleren Behandlung, als sie Neugeborene mit dem Aids-Virus für gewöhnlich erhalten. Das berichtet unter anderem die türkische Hürriyet.

Noch ist der Fall allerdings nicht vollständig in trockenen Tüchern. Die Mediziner sprechen derzeit von einem Zustand des mittlerweile zweieinhalb Jahre alten Kindes, der „nahe an einer Heilung, wenn nicht sogar als eine Heilung“ betrachtet werden könne. Noch sei das Virus allerdings nicht völlig ausgerottet. Dennoch sei seine Präsenz auf einem so niedrigen Niveau, dass sein Körper es ohne eine sonst nötige medikamentöse Behandlung kontrollieren könne. Bleibt das Kleine nun dauerhaft gesund, wäre seine Heilung als die weltweit zweite jemals dokumentierte Genesung zu bezeichnen.

Behandlung vor Bluttest: Ärztin reagierte geistesgegenwärtig

Im aktuellen Fall, der sich unter der Leitung der Kinderärztin der Universität von Mississippi, Dr. Hannah Gay, ereignete, wurde die Erkrankung der Mutter erst unter den Geburtswehen festgestellt. Dem Baby seien anschließend in den ersten 30 Tagen Infusionen mit drei Medikamenten verabreicht worden – und zwar noch vor der eigentlichen Feststellung des Aids-Virus. Denn die Behandlung startete bereits weniger als 30 Stunden nach der Geburt. Die geistesgegenwärtige Reaktion der Ärztin, von der noch nicht klar ist, ob es schlicht Glück oder tatsächlich zur Methode werden könnte, hat offenbar das HIV-Virus im Blut ausgeschaltet. Im Körper wurden keine so genannten schlafenden Zellen gebildet.

Üblicherweise beginnt eine Behandlung von Neugeborenen mit einem hohen HIV-Risiko nicht so aggressiv. Bis zum tatsächlichen Ergebnis werden zunächst geringere Medikamentendosen verarbreicht. Die Resultate der Bluttest liegen aber meist erst nach sechs Wochen vor. In diesem Fall wurde nicht nur schnell und präventiv reagiert, sondern die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten bis zum 18 Lebensmonat fortgesetzt. Danach verloren die Ärzte für zehn Monate den Kontakt, so dass keine weitere Behandlung erfolgen konnte. Erst danach fanden wieder Bluttests statt, von denen keiner ein HIV-positives Ergebnis anzeigte.

Zahl der HIV-Infizierten in der Türkei steigt

Auch in der Türkei sind die Erkrankungszahlen alarmierend. Die Zahl der Personen, die mit dem HIV-Virus infiziert sind, hat nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Jahr 2011 nahezu 5,500 erreicht. 16 Prozent der Infizierten sind Ausländer. Die meisten von ihnen stammen aus der Ukraine, Moldawien und Rumänien (mehr hier). Erst im vergangenen Jahr sorgte der Fall eines Mannes für Aufsehen, der sich durch eine Bluttransfusion infizierte (mehr hier).

Bisher gibt es weltweit erst einen bekannten Heilungsfall. Der aus San Francisco stammende Timothy Raw, auch bekannt als „The Berlin Patient“, erhielt eine Knochenmarktransplantation von einem Spender mit einer äußerst seltenen natürlichen Resistenz gegen das Virus. Die Maßnahme, die eigentlich der Behandlung seiner Leukämie diente, schlug an: In den fünf Jahren danach benötigte der Patient keine HIV-Behandlung mehr.

https://www.youtube.com/watch?v=vOT4IdDrKeE

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