Malatya Massaker: Witwe von Tilmann Geske will türkische Staatsbürgerschaft

Susanne Geske, die Witwe von Tilmann Geske, der 2007 beim Massaker in einem Bibel-Verlag in Malatya ermodet wurde, hat die türkischen Behörden ein weiteres Mal um die türkische Staatsbürgerschaft gebeten. Schon einmal war ihr ein Pass verweigert worden. Die Familie will das Land auf keinen Fall verlassen.

Die dreifache Mutter Susanne Geske war nach der Beerdigung ihres Tilmann mit ihren Kindern in der ostanatolischen Stadt Malatya geblieben. Über die Bemühungen der türkischen Behörden in Zusammenhang mit dem grausamen Mord an ihrem Ehemann sowie zweier türkischer Christen zeigte sie sich vor zwei Jahren noch hoch erfreut (mehr hier). Nun, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, mahlen die Mühlen der hiesigen Behörden offenbar um einiges langsamer. Bereits vor zehn Monaten, so berichtete die Witwe dem Blatt, habe sie ein zweites Mal um die türkische Staatsbürgerschaft gebeten. Bisher gebe es allerdings noch keine Antwort.

Türkische Behörden reagieren nicht auf Geskes Anliegen

„Premier Erdoğan sagte einmal, dass er Deutsche in der Türkei haben wolle, die die türkische Staatsbürgerschaft erwerben. Meine Kinder und ich wollen türkische Staatsbürger sein. Wir leben seit 16 Jahren hier. Eines meiner Kinder ist sogar hier geboren. Warum können wir von einem solchen Recht nicht profitieren?“, fragt Susanne Geske.

Das Anliegen der Deutschen war auch Thema während der Türkei-Visite von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 25. Februar in Ankara. Dort war Merkel mit Premier Erdoğan und anderen geistlichen Oberhäuptern zusammen gekommen.

Familie Geske nach wie vor in der Türkei verwurzelt

In der östlichen Provinz Malatya wurden am 18. April die drei Missionare Tillman Geske, Necati Aydin und Ugur Yuksel von muslimischen Extremisten im christlichen Zirve-Verlag an ihre Bürostühle gefesselt und gefoltert, bevor ihnen schließlich die Kehlen aufgeschlitzt wurden. Susanne Geske und die drei Kinder waren trotz der furchtbaren Tat in der Stadt geblieben. Eine Rückkehr nach Deutschland, das stellt sich auch jetzt noch einmal im Gespräch mit der Zeitung klar, käme für sie nicht infrage. Zu lange würden sie hier schon leben. Ihr Umfeld, alle ihre Freunde wären hier in der Türkei. Das alles zu verlassen ergäbe für sie und ihre Kinder überhaupt keinen Sinn.

Nach der Bluttat hat die Familie hatte Geske für sich und ihre Familie keinerlei Schutz von den türkischen Behörden verlangt. Über ihre eigene Sicherheit, so die Witwe mache sie sich keine Sorgen. Ihr Glaube an Gott stärke sie und gebe ihr die Zuversicht, dass er sie und ihre Kinder beschütze. Wenn Gott wolle, würde er sie zu sich holen, deshalb habe sie auch keine Angst. Noch heute ist sie der Ansicht, dass mehr hinter dem geplanten Mord an ihrem Ehemann, der übrigens rein zufällig im Büro war, stecke. Das ganze Ausmaß, so Geske, werde schon bald ans Licht kommen.

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