Moskau: Islamische Theologie als Waffe gegen den radikalen Islamismus

Die russische Regierung möchte den Hochschulbetrieb im Bereich der islamischen Theologie vereinheitlichen und reformieren. Russische Muslime und Christen mit Interesse am Islam, sollen ihre theologische Ausbildung ausschließlich in Russland erhalten. Doch derzeit gibt es immer noch zu viele russische Muslime, die an Universitäten in Saudi Arabien und Ägypten studieren und radikalisiert werden.

Der Kreml möchte eine einheitliche islamische Theologie als eigenes Fach an russischen Universitäten einführen. Russische Analysten sehen darin das Bestreben Moskaus, dem radikalen Islam Einhalt zu gebieten. Präsident Vladimir Putin hat verkündet, dass die russische Regierung innerhalb der kommenden drei Monate ein Bachelor- und ein Masterprogramm ins Leben rufen werde.

In Russland gibt es nur islamische Oberschulen oder Madrasas aber keine Universitäten mit einem einheitlichen Lehrplan. Derzeit gibt es die Islamische Universität in Moskau, das Russische Islaminstitut in Ufa und die Russische Islamische Universität Kasan. All diese Einrichtungen seien nicht vernetzt und weisen unterschiedliche Lehrpläne auf, erklärt Islamwissenschaftler Denga Khalidov im Gespräch mit Voice of Russia. Der Islam hat in Russland noch keine wissenschaftliche Grundlage und werde nur als religiöses Bekenntnis angesehen.

Der Vorstoß Moskaus hat in erster Linie eine sicherheitspolitische Komponente. Der russische Experte für den politischen Islam, Georgy Engelgardt, berichtet, dass junge Muslime in Russland nach Ägypten und Saudi Arabien gehen, um einen Hochschulabschluss in islamischer Theologie zu erwerben. Doch kehren jene jungen Russen als radikale Islamisten zurück. Dort werde der Islam als politische Kraft gelehrt und nicht als Religion. Eine Reihe von diesen jungen Menschen schließen sich dann bewaffneten islamistischen Gruppen im Nordkaukasus und in der Wolga-Region an. Schuld daran sei der Umstand, dass es kein einheitliches Hochschulwesen im Bereich der islamischen Theologie gebe.

Der Kreml zielt darauf ab, den russischen Islam in Einheit mit den nationalen Interessen der Russischen Föderation zu bringen. Dabei wird eine Doppelstrategie gefahren. Zum Einen versucht Moskau, den Zulauf zum Salafismus zu unterbinden. Zum Anderen werden schon längst radikalisierte und gewalttätige Islamisten mit Waffen bekämpft. In den vergangenen zwei Monaten haben russische Sicherheitskräfte insgesamt 50 Salafisten getötet (mehr hier).

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