Patriot-Ei​nsatz: Türkischer Generalsta​b weist Vorwürfe der deutschen Regierung zurück

Der türkische Generalstab hat in einer Mitteilung alle Vorwürfe des Wehrbeauftragten der Bundeswehr zurückgewiesen. Es gebe keine gravierenden Probleme zwischen türkischen und deutschen Soldaten. Oberst Marcus Ellermann stimmt dem zu und sagt, dass die türkische Seite keine Schuld trage. Es gebe lediglich anfängliche Koordinationsprobleme zwischen beiden Seiten.

Die türkische Generalität ist wütend über die Vorwürfe des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus. Der hatte in einem Bericht behauptet, dass es beim Patriot-Einsatz in Kahramanmaraş, zu Handgreiflichkeiten zwischen türkischen- und deutschen Soldaten gekommen sei (mehr hier). Ihm zufolge fühlen sich die Bundeswehrsoldaten von den Türken schlecht und vor allem willkürlich behandelt.

Nun äußert sich der türkische Generalstab in einer Pressemitteilung zu den Vorwürfen. Zu Handgreiflichkeiten sei es zu keinem Zeitpunkt gekommen. Beim Besuch des deutschen Verteidigungsministers sei die deutsche Autokolonne durch ein türksiches Militärfahrzeug begleitet worden. Acht bis zehn deutsche Soldaten haben versucht die Sperrung eines Zufahrtsweges vorzunehmen. Die Absperrung galt dem türkischen Fahrzeug. Ein türkischer General sei ausgestiegen und habe die Bundeswehrsoldaten lediglich gewarnt.

Zu dem Vorwurf, dass die Toiletten nicht sauber genug seien, steht der Generalstab auf dem Standpunkt, dass die deutschen Soldaten ihre Toiletten selbst putzen sollen. Zuvor habe man auch den Kontakt zu einer Reinigungsfirma hergestellt. Doch die deutsche Seite habe nicht reagiert.

Seit Beginn des Patriot-Einsatzes „befinden sich alle 300 deutschen Soldaten in luxuriösen Hotels“, zitiert die Hürriyet den Generalstab. Auf dem Einsatzgelände sei lediglich das Wachpersonal der Bundeswehr anzutreffen. Zudem habe die Bundeswehr provisorische Zelte und Einrichtungen aufgebaut. Der Bau von neuen Einrichtungen auf dem Gelände der Gazi-Kaserne sei in vollem Gange.

Um die Interaktion zwischen deutschen und türkischen Soldaten zu fördern, seien Sportplätze und weitere Orte der sozialen Aktivität vorhanden. Die Bundeswehrsoldaten haben die Möglichkeit, das Offizierskasino in der Stadt zu besuchen. Alle Einrichtungen werden gemeinsam mit türkischen Soldaten genutzt.

Die Bundeswehr habe bei ihrer Ankunft angefangen, die Gazi-Kaserne mit Flaggen der deutschen Bundesländer und der deutschen Nationalflagge auszustatten. Sie seien dabei gewesen, innerhalb der Kaserne deutsche Straßenschilder und Ortbezeichnungen anzubringen. Dies wurde unterbunden. Die Deutschen seien darauf hingewiesen worden, dass jeweils eine Natoflagge, eine türkische Flagge und eine deutsche Flagge vor der Kaserne ausreichend wären.

Währenddessen hat sich Oberst Marcus Ellermann zu Wort gemeldet, und versucht die Wogen zu glätten. Die Vorfälle werden „deutlich zu hoch gehängt“ und er habe ein „ordentliches Verhältnis“ zum türkischen Generalstab, zitiert die Deutsche Welle den Oberst. Die Unterkünfte, welche von der türkischen Seite renoviert wurden, konnten bisher nicht bezogen werden. Ellermann meint, dass er auf die Zusage der deutschen Kontrolleure warte. Die Türken seien wütend, weil sie sich in relativ kurzer Zeit Mühe gegeben haben, die Unterkünfte auf Vordermann zu bringen.

Der deutsche Oberst möchte, dass die Politik sich aus dem Verhältnis zwischen der Bundeswehr und der türkischen Armee raushält. Man könne die Probleme in der Gazi-Kaserne auch eigenständig lösen. Offenbar fürchtet Ellermann einen politischen Missbrauch der Probleme in der Kaserne. Zuvor hatte der deutsche Außenminister, Thomas de Maizière, gesagt, dass die Bedingungen für deutsche Soldaten in der Türkei besser sein könnten (mehr hier).

Der Pressesprecher des deutschen Kontingents, Frank Sarach, zeigt sich hingegen zuversichtlich. Ab und an gebe es mit der türkischen Seite kleine Differenzen. Doch das liege nun einmal „in der Natur der Sache“, so Sarach.

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