9/11-Trauma: USA erlaubt erstmals wieder Taschenmesser im Flugzeug

Noch vor kurzem sorgte das bloße Aussprechen des Wortes „Terrorist“ für Tumult in einem Flugzeug. Jetzt überrascht die US-amerikanische Transportsicherheitsbehörde Transportation Security Administration (TSA) mit einer Änderung ihrer Richtlinien für das Handgepäck. Bereits ab 25. April dieses Jahres ist unter anderem das Mitführen kleiner Messer wieder erlaubt.

Wie die Transportation Security Administration (TSA) bereits am vergangenen Dienstag bekannt gab, dürfen in den USA schon ab Ende April das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wieder kleine Messer und Baseballschläger mit an Bord von Flugzeugen gebracht werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Weiterhin strenge Vorgaben für Messer und Baseballschläger

Die überraschende Lockerung unterliegt allerdings strengen Vorgaben. So dürfen die mitgeführten Messer unter anderem über keinen ergonomischen Griff verfügen. Auch die Klinge darf bestimmte Maße nicht überschreiten. Hier gilt: Nicht breiter als 12,7 Millimeter und nicht länger als sechs Zentimeter. Weiterhin tabu sind gemäß der TSA-Neuregelung allerdings Messer mit feststehender Klinge sowie Teppichmesser oder Rasierklingen. Aufgeweicht wurde das seit dem 9/11-Trauma besonders strikte Regelwerk auch hinsichtlich bestimmter Sportgerätschaften wie zum Beispiel Golfschläger oder Skistöcke. Hier sind jedoch nach wie vor mengenmäßige Beschränkungen zu beachten. Bei massiven Baseballschlägern gilt es hingegen ebenfalls bestimmte Werte nicht zu überschreiten: Die Geräte müssen leichter als 680 Gramm sein und dürfen außerdem nicht mehr als 61 Zentimeter messen.

Gewerkschaft des Kabinenpersonals fürchtet um die Sicherheit

Die Entscheidung, so heißt es weiter, habe unter Flugbegleitern für Empörung gesorgt. Sie seien der Ansicht, dass die Neuregelung sowohl die Passagiere als auch die Besatzungsmitglieder gefährden würde. Nach Angaben von TSA-Sprecher David Castelveter sei die Entscheidung getroffen worden, um die US-amerikanischen Regeln weiter mit den Standards der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) in Einklang zu bringen. Die neue Regelungen sei zudem Teil einer „risikobasierten Herangehensweise“. So könne sich das Sicherheitspersonal künftig stärker auf Objekte konzentrieren, die eine größere Bedrohung, wie etwa Sprengstoff, darstellten. Noch immer stehen in den USA Muslime unter Generalverdacht (mehr hier).

Ganz anders wird das allerdings von der hiesigen Gewerkschaft des Kabinenpersonals gesehen, die die Entscheidung für grob fahrlässig und vor allem kurzsichtig hält. Die Vereinigung, hinter der rund 90,000 Mitarbeiter stehen, betont in einer eigenen Erklärung: „Als letzte Linie der Verteidigung in der Kabine und entscheidende Partner im Luftverkehr sind wir der Ansicht, dass die Veränderungen das Leben von allen Flugbegleitern und Passagieren, an deren Sicherheit wir so hart arbeiten, weiter gefährden werden.“ Castelveters Behörde hält jedoch dagegen, dass man im Gegenzug eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen einschließlich verstärkter Cockpit-Türen implementieren werde. Auch solle es einigen Piloten erlaubt sein, sich zu bewaffnen. Außerdem reisten in den Maschinen bewaffnete Air Marshals und in Selbstverteidigung geschultes Personal mit.

Wie angespannt die Nerven an Bord von US-Maschinen tatsächlich sind, das zeigte sich erst wieder Ende Februar dieses Jahres. Der Blogger Matthew Klint wollte auf einem Flug der United Airlines ein paar Fotos für seinen Blog machen. Als er der Stewardess erklärte, dass er kein Terrorist sei, bekam diese es mit der Angst zu tun. Der Blogger musste das Flugzeug verlassen, weil er als Sicherheits-Risiko eingestuft wurde (mehr hier).

Hier geht es zu den neuen Richtlinien.

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