Olympia-Albtraum: 1500-Meter-Triumpf der türkischen Läuferinnen endet vor Gericht

Gut ein halbes Jahr nach dem Olympia-Sieg über 1500-Meter hat die Sternstunde der türkischen Damen-Leichtathletik ein bitteres Nachspiel. Die ehemalige Europameisterin über diese Distanz, Süreyya Ayhan Kop, die eine lebenslange Sperre wegen Dopings verbüßt, stellte Strafanzeige gegen eine der beiden Damen des türkischen Doppelerfolgs. Kop verlangt eine Beteiligung am Sieg von Aslı Çakır Alptekin. Schließlich habe sie ihr beratend zur Seite gestanden.

Süreyya Ayhan Kop, einstige Olympiateilnehmerin und Europameisterin, hat gemeinsam mit ihrem Ehemann und Trainer Yücel Kop Strafanzeige gegen die türkische Leichtathletin Aslı Çakır Alptekin gestellt. Das Duo beansprucht darin einen Teil des Gewinns, den Alptekin für ihre Goldmedaille über 1500 Meter bei den Olympischen Spielen 2012 in London erhalten hat. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Gegenseite bestreitet Existenz einer Vereinbarung

Laut einer Vereinbarung zwischen beiden Parteien stünde dem Ehepaar Kop eine Beteiligung offenbar durchaus zu. Denn diese machen geltend, dass es ihre Taktik gewesen sei, die der Sportlerin zu ihrem Erfolg verholfen hätte – so heißt es zumindest in der entsprechenden Anzeige. „Das ist, was in der Vereinbarung steht. Jetzt hat das gerichtliche Verfahren begonnen“, so Yücel Kop zur türkischen Nachrichtenagentur Doğan. Die Gegenseite sieht das jedoch völlig anders. İhsan Alptekin, Ehemann von Aslı Çakır und ebenfalls Trainer, bestreitet die Existenz einer solchen Übereinkunft vehement. „Ich war schockiert, als ich die Nachricht in der Presse las“, so Alptekin in einem TV-Interview. Hier solle ein Skandal provoziert werden. Es handle sich um Leute, die man höchstens ein bis zweimal im Jahr sehe. „Das Ganze sei völlig falsch, eine Lüge und Verleumdung.“

Die Schlammschlacht, die vor allem von den beiden Ehemännern ausgetragen wird, ist mit dem Gang vor Gericht jedoch noch nicht zu Ende. In einem weiteren Interview tritt Yücel Kop nach, indem er sagt: „Wir haben die vergangenen sechs Monate geduldig gewartet. Man zieht ein junges Bäumchen heran und diese wird dann Europameisterin und Olympiasiegerin. Warum sollten wir nicht bekommen, was wir verdienen? Welcher Trainer würde umsonst arbeiten?“

Alptekin soll 54000 Lira an Kop bezahlt haben

Nach Angaben von Kop sei die jetzige Olympiasiegerin zuvor die 3000 Meter Hürden wie eine einfache Athletin gelaufen. Dann habe sie die Kops um Hilfe gebeten. Er habe Aslı Çakır schließlich geraten, auf die 1500 Meter zu wechseln. Insgesamt habe man dreieinhalb Jahre miteinander gearbeitet. „Wir waren die ganze Zeit zusammen“, stellt Kop heraus. Selbst wenn man nicht physisch anwesend gewesen wäre, hätte Telefonkontakt bestanden. Während dieser Zeit habe man auch einige Zahlungen von der Athletin erhalten.

Wie Kops Anwalt, Osman Buldan, der Nachrichtenagentur Doğan erläuterte, bestünde eine entsprechende Vereinbarung bereits seit 2009. Alptekin habe ganz klar von den Erfahrungen der Familie Kop profitieren wollen. Laut Buldan habe die Läuferin bis dato 54,000 türkische Lira für Trainertätigkeiten an Süreyya Ayhan Kop bezahlt. Damit sei die monetäre Verbindung bereits nachgewiesen.

Beide Athletinnen haben bereits Doping-Erfahrung

Aslı Çakır Alptekin erlangte im Sommer 2012 weltweite Aufmerksamkeit, als sie Gold über 1500 Meter holte. Ihre Landsfrau Gamze Bulut gewann Silber. Ebenfalls Gold holte sie bei der Sommer-Universiade in Shenzhen, China, 2011 und gewann die 1500 Meter in einer Zeit von 3:56.62 bei der Diamond League in Paris im Jahr 2012. Die Siegesserie markierte eine atemberaubende Trendwende für die Läuferin, nachdem ihr im September 2004 eine Zwei-Jahres-Sperre für die Einnahme illegaler Substanzen auferlegt wurde.

Doping beendete einst übrigens auch die Karriere von Sürreyya Ayhan Kop. Die heute 35-Jährige war die erste türkische Frau, die jemals ein olympisches Halbfinale erreichte. Der Riesenerfolg gelang ihr im Jahr 2000 bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney. Im nächsten Jahr gewann sie das WM-Finale. Darüber hinaus war sie die schnellste Läuferin über 1500 Meter in Europa in den Jahren 2002 und 2003. Nach einer Kette von Verletzungen und Doping-Tests am Vorabend der Olympischen Spiele 2004 erhielt sie eine lebenslange Sperre für die Verwendung illegaler Substanzen im Jahr 2009. Im Sommer 2012 traf es schließlich die türkische Athletin Meryem Erdoğan (mehr hier). Beide Athleten sind Vorbilder für junge türkische Sportler, vor allem für Mädchen (mehr hier).

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