Horror in türkischen Gefängnissen: Mehr als 400 Frauen in 16 Jahren vergewaltigt und missbraucht

Das Thema häusliche Gewalt ist in der Türkei bereits seit geraumer Zeit ins öffentliche Blickfeld gerückt. Jetzt kommen neue, erschütternde Zahlen ans Licht. Betroffen sind diesmal jedoch Frauen in türkischen Gefängnissen. In den vergangenen 16 Jahren wurden 83 von ihnen Opfer einer Vergewaltigung, 366 wurden während der Haft sexuell missbraucht. Das geht aus einem Bericht des Rechtshilfebüros gegen Missbrauch und Vergewaltigung in Haft hervor.

Der größte Teil der Beschwerden, so berichtet die türkische Hürriyet am heutigen Weltfrauentag, sei von Frauen im Osten und Südosten der Türkei eingereicht worden. Besonders dramatisch: Dem Bericht des Rechtshilfebüros gegen Missbrauch und Vergewaltigung in Haft zufolge, seien 45 der Opfer zwischen zehn und 18 Jahren alt.

Polizei gehört zum Haupttäterkreis

Insgesamt seien im Zuge solcher eingegangenen Beschwerden seit der Gründung der Institution im Jahr 1997 ganze 159 Verfahren eröffnet worden. 28 dieser Fälle wurden schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EMRK) abgeschlossen. 16 weitere stünden noch aus. Wie der Bericht weiter herausstellt, gehöre die Polizei selbst zum Haupttäterkreis. 266 der gemeldeten Überfälle wurden von Polizeibeamten begangen, 96 durch Armee- oder Gendameriekräften, 17 durch Spezialeinsatzkräfte.

Doch dabei handelt es sich nur um die Spitze des Eisbergs. Das ist auch dem Rechtshilfebüro bewusst. Die meisten Frauen würden nach wie vor aus Angst schweigen und den nicht selten steinigen juristischen Weg scheuen. Nach Ansicht von Leman Yurtsever, einer der Juristen im Rechtshilfebüro, spielten hier vor allem psychologische Barrieren bei den Frauen hinein. Dabei sind die Schicksale der Frauen oft an Grausamkeit nicht zu überbieten. So schildert der Report etwa den Fall eines 14-jährigen Mädchens, das nach einer Vergewaltigung Opfer eines Ehrenmords durch ihre eigene Familie wird. Eine andere Frau wird durch ihre Familie mit dem Tod bedroht und von dieser verfolgt. Zwei weitere begingen Selbstmord, während eine Dritte an ihren schweren Verletzungen, die sie während der sexuellen und physischen Folter durch Sicherheitskräfte erlitten hatte, verstarb. Über einen nicht gerade zimperlichen Umgang der türkischen Polizei berichtete auch die deutsche Linkspolitikerin und frühere Europaabgeordnete Feleknas Uca (mehr hier).

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte straft Türkei ab

Wie brutal es in türkischen Gefängnissen zugehen kann, ist jedoch bei Weitem nichts Neues: Erst Ende November 2012 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) den türkischen Staat angewiesen, 80.000 Euro Entschädigung für die Opfer einer von Sicherheitskräften durchgeführten Razzia im Istanbuler Bayrampaşa Gefängnis am 19. Dezember 2000 zu bezahlen. Auch damals ging es, wie erst im vergangenen Jahr, um einen Hungerstreik. Zwölf Insassen kamen bei der Aktion allein in dieser Anstalt ums Leben. Das Gericht befand die Türkei für schuldig, gegen Artikel 2 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte (EMRK) verstoßen zu haben. (mehr hier).

Und wie ist Situation der Frauen vor den Gefängnismauern? Insgesamt 10,958 türkische Frauen haben im Jahr 2012 zusammen mit 2,338 Kindern Zuflucht vor Gewalt oder gewalttätigen Ehemännern in Frauenhäusern gefunden, die durch den Staat betrieben werden. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Ministeriums für Familie und Sozialpolitik hervor. Derzeit, so berichtete die türkische Zaman bereits im Dezember vergangenen Jahres, arbeite das Ministerium gerade am Ausbau der Infrastruktur, um sicherzustellen, dass in jeder türkischen Provinz mindestens eine dieser Zufluchtsstätten vorhanden sei. Mit Stand vom 19. November betrug die Anzahl der Häuser 76. Das sind 48 mehr als noch im Jahr zuvor.

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