Popstar Tarkan: Weltfrauentag in der Türkei kein Grund zum Feiern

Der türkische Popstar Tarkan ist der Ansicht, dass der am 8. März international begangene Weltfrauentag in seiner Heimat nicht gefeiert werden könne. Frauen seien hierzulande nach wie vor Gewalt und Mord durch Männer ausgesetzt. Immer wiederkehrende Berichte in den türkischen Medien bestätigen sein Bild.

Für den türkischen Popstar Tarkan alias Tarkan Tevetoğlu ist der am vergangenen Freitag begangene Weltfrauentag ein Tag des Schmerzes. Feiern ist an diesem Tag seiner Ansicht nach nicht angezeigt. Denn die Gewalt gegen türkische Frauen reißt nicht ab. Das berichtet die türkische Hürriyet. „Der Internationale Frauentag am 8. März ist in unseren Kalendern ein Tag ausgefüllt mit Schmerz“, so der 40-Jährige in einer von der Zeitung veröffentlichten Botschaft an die türkische Öffentlichkeit. „In einer Gesellschaft, in der Mutterschaft und Mütter geehrt werden, gibt es gleichzeitig leider auch Männer, die Frauen und Mädchen töten. Dieser Widerspruch ist nicht nachvollziehbar.“

Ungesunder Ansatz zwischen dem Heiligen und der Keuschheit

Auf der einen Seite würdige man Mutterschaft, auf der anderen Seite schlage und foltere man andere Mütter, werdende Mütter oder beute ihre Arbeitskraft aus. Man raube ihnen ihre Freiheit, so der im rheinhessischen Alzey aufgewachsene Künstler, der diese Kluft in einem „ungesunden Ansatz von Männlichkeit zwischen dem Heiligen und der Keuschheit“ begründet sieht, der schließlich solche Gewalt auslöse.

Die eindringliche Botschaft des „Şımarık“-Interpreten lenkt die Aufmerksamkeit auch auf einen aktuellen Fall, der derzeit die türkische Öffentlichkeit erschüttert. Eine junge Frau, die regelmäßig häuslicher Gewalt durch ihren Ehemann ausgesetzt war und von ihm mit dem Tod bedroht wurde, konnte im Istanbuler Bezirk Kartal von der Polizei gerettet werden. Fatma Yolcu rief die Beamten am späten Donnerstagabend  zur Hilfe, als ihr Ehemann Engin Yolcu mit einem Messer vor dem Haus auf sie wartete. Dieser ging dann nicht nur auf seine Frau, sondern auch auf die Polizisten los. Letztere schalteten den Täter schließlich mit einem Schuss ins Bein aus. Die vierfache Mutter erstattete Anzeige. Weniger glücklich ging die Geschichte für Gülcan Ç. in der Ägäis-Provinz Manisa aus. Sie schaffte es nicht, die Polizei zu rufen. Ihr Mann erstach sie vor den Augen der gemeinsamen Zwillingssöhne. Der tödlichen Attacke ging ein Streit des Ehepaares voraus. Als M.Ç. nach Hause kam und seine Frau telefonieren sah, fing er an, die 38-Jährige zu verprügeln. Vor dem Haus kam es schließlich zur tödlichen Eskalation.

Frauen werden auf offener Straße angegriffen oder erstochen

Schreckensszenarien wie diese finden sich immer wieder in der türkischen Presse (mehr hier). Kritiker betrachten die bisherigen Bemühungen des Staates zum Schutz der Frauen als nicht ausreichend. Rechtliche Reformen griffen zu kurz, Institutionen wie etwa die Polizei würden entsprechende Gesetze und Vorschriften schlicht nicht anwenden. Auch die neu eingeführten Panic Buttons sind kein Heilmittel (mehr hier). Das ist auch dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül wohl bewusst. In seiner Botschaft zum Weltfrauentag gestand er ein, dass es nicht möglich sei, das gewünschte Niveau zu erreichen, allein, indem man Gesetze erlasse. Im Endeffekt, so Gül, sei hier ein modernes pädagogisches Konzept gefragt, das Frauen ihre Rechte bewusst mache und sie lehrt, diese auch auf demokratischem Weg zu verteidigen. In diese Richtung äußerte sich auch Premier  Recep Tayyip Erdoğan während seiner Rede in der östlichen Provinz Siirt. Auch er stellte die Bildung und das Verteidigen der eigenen Rechte durch die Frauen als Schlüssel heraus.

Der Internationale Frauentag wurde von Aktivisten in der gesamten Türkei mit Kundgebungen begangen. So versammelten sich etwa auf dem Kızılay Platz in der Nähe der Innenstadt von Ankara zwei Gruppen einer Initiative namens „Arbeitende Frauen“. Andernorts erschienen weibliche Angeklagte in lila Kleidung vor Gericht.

Mehr zum Thema:

Weltfrauentag: Zahl der weiblichen Beschäftigten in der Türkei geht zurück
Horror in türkischen Gefängnissen: Mehr als 400 Frauen in 16 Jahren vergewaltigt und missbraucht
Türkische Wissenschaft: Keine Gleichstellung der Geschlechter


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.