Spätes Eingeständnis: Standortwahl einiger türkischer Wasserkraftwerke war fatal

Der türkische Energieminister Taner Yıldız hat eingeräumt, dass einige Wasserkraftwerke des Landes die hiesige Umwelt geschädigt haben. Vollends die Verantwortung dafür übernehmen, will die türkische Regierung aber offenbar nicht. Der Minister schiebt den schwarzen Peter den Vertragspartnern und ihrem „rüpelhaften Ansatz“ zu.

Der türkische Energieminister Taner Yıldız hat erstmals öffentlich zugegeben, dass einige Wasserkraftwerke des Landes in umstrittenen Gebieten gebaut worden sind. Die Schuld dafür sieht er jedoch bei den Vertragspartnern. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Die Einsicht des Minister kam am vergangenen Donnerstag während eines Panels, das sich mit der türkischen Energiepolitik auseinandersetzte. Dort beschuldigte  er einigeUnternehmer für ihren „rüpelhaften Ansatz“ beim Aufbau der Wasserkraftwerke.

„Wir wollen keine Kraftwerke zu Lasten der Umwelt bauen. Wir wollen nicht an Projekten arbeiten, die sich gegen die Umwelt richten. Wir wollen mit der Umwelt arbeiten“, versucht sich Yıldız auf der von der internationalen Denkfabrik SETA veranstalteten Konferenz „Regional and Global Energy Security: Turkey’s Role” jeglicher Verantwortung zu entziehen. Die türkische Energie und ihre natürlichen Ressourcen seien ihr Kapital. Das seien ihre historischen Anlagen. Welche Anlagen er konkret bedauere und welche Schäden er er hier genau im Auge hat, gab der Minister allerdings nicht preis.

Yıldız verteidigt Polizeieinsätze gegen Umweltschützer

Der Bau von Wasserkraftwerken stößt in der Türkei bereits seit langem auf Widerstand bei den betroffenen Einheimischen als auch bei internationalen Umweltschützern (mehr hier). Viele von ihnen wurden inzwischen trotz vehementen Protestes gebaut. In einigen Fällen kam es sogar zu unverhältnismäßiger Gewalt durch die türkische Polizei, was schließlich zu weiteren Kontroversen führte. Hier wünscht sich Energieminister Yıldız jedoch eine feineUnterscheidung zwischen Demonstranten und manipulativen Umweltschützern, die seiner Ansicht nach nur den Fortschritt der Türkei aufhalten möchten.

Zurück hielt sich Yıldız auch hinsichtlich der anhaltenden Affäre um eine Zusammenarbeit mit der Regierung der Autonomen Region Kurdistan (KRG) Im Blickpunkt steht aus Sicht der Kurden die Kooperation im Energiesektor. Doch die Zentralregierung in Bagdad ist weniger erfreut über diese Verbindung (mehr hier). Er deutete allerdings an, dass jegliche vom türkischen Staat oder privaten Sektor durchgeführten Projekte im Öl-Nordirak zu einer Normalisierung der Spannungen in Irak beitragen würden. „Einnahmen aus Öl, die im Süden oder im Norden des Iraks gemacht wurden, gehören dem gesamten Irak. Das ist die Linie der irakischen Zentralregierung und damit ehen wir völlig überein.“ Jüngste Medienberichte, wonach die türkische Regierung versichert habe, keine Öl-Deals mit der KRG ohne die Zustimmung Bagdads einzugehen, wollte er aber weder dementieren noch bestätigen. „Der wichtigste Faktor für eine Normalisierung im Irak ist die Entwicklung von Energieprojekten dort“, so seine Überzeugung. Je mehr Projekte entwickelt würden, desto mehr werde sich das Land normalisieren. Man werde daher nicht gleichgültig bleiben und ein Projekt unterstützen, das zur Normalisierung des Irak, des türkischen Nachbarns und Verbündeten, beitragen würde.

Energiekooperationen mit Deutschland geplant

In Sachen Energie wurden kürzlich auch zarte Bande gen Deutschland geknüpft. Beim zweiten Deutsch-Türkischen CEO-Forum Ende Februar dieses Jahres in Ankara kamen zahlreiche Vertreter der deutschen und türkischen Wirtschaft zusammen. Deutsche Unternehmer und Politiker zeigten sich besonders interessiert an Direkinvestitionen in die türkische Energiewirtschaft. Allerdings liegen noch keine fassbaren Verträge vor. Die Mehrheit der deutsche Unternehmen möchte jedoach an Investitionen in die Kohle- und Windkraft mitwirken. Auch die Solarenergie bildet einen Interessenbereich (mehr hier).

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