Das Geschäft mit der Not: Mieten in türkisch-syrischen Grenzstädten explodieren

Die Mieten in türkischen Grenzstädten zu Syrien sind in ungeahnte Höhen geklettert. Das Zufluchtsgebiet für Tausende syrische Flüchtlinge ist für viele unerschwinglich geworden. Die überbordende Nachfrage hat die Preise nach oben schießen lassen und zwingen nun nicht wenige Syrer zur Rückkehr ins Krisengebiet.

Die unerschwinglichen Mietpreise zwischen viele Syrer zur Rückkehr ins Krisengebiet. (Foto:  FreedomHouse2/flickr)

Die unerschwinglichen Mietpreise zwischen viele Syrer zur Rückkehr ins Krisengebiet. (Foto: FreedomHouse2/flickr)

Bis zu 1500 türkische Lira pro Monat, umgerechnet etwa 640 Euro, so viel kosten Wohnungen mittlerweile in türkisch-syrischen Grenzstädten. Preise, die für die meisten Syrer schlicht unerschwinglich sind.

In Reyhalı, in der Region Hatay etwa, wo sich derzeit um die 50.000 syrische Flüchtlinge aufhalten, haben sich die Mieten teilweise nahezu verfünffacht. Auch eine durchschnittliche Wohnung, die einst für 250 Lira zu haben war, ginge nun nicht mehr unter 750 Lira weg. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Einige Vermieter, so schreibt das Blatt weiter, würden mittlerweile sogar darauf drängen, ursprünglich zu günstigeren Konditionen abgeschlossene Mietverträge zu beenden, um die Räumlichkeiten anschließend zu einem weitaus höheren Preis neu zu vermieten. Mittlerweile begänne die Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung bei 500 Lira, rund 213 Euro. Mittlerweile ist die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei auf über 180.000 syrische Flüchtlinge angewachsen (mehr hier).

Syrische Flüchtlinge leben in Häusern wie in Käfigen

Eine der direkt Betroffenen ist Vehibe al Said. Die Syrerin und ihre Familie sind nach Reyhanlı geflüchtet. Vor zwei Monaten waren sie aus Idlib gekommen. Derzeit zahlen sie noch 500 türkische Lira für ein Haus. Doch auch ihr Vermieter würde sie am liebsten wieder auf die Straße setzen. „Wir können kein anderes Haus zum gleichen Preis finden. Unsere Vermieter wollen jetzt 700 bis 800 Lira. Das können wir uns nicht leisten. Jetzt hat man uns einen Monat gegeben, um auszuziehen. Wir wissen nicht, was wir tun sollen“, klagt sie im Gespräch mit der Zeitung. Schon jetzt lebten sie unter äußerst schwierigen Bedinungen. Insgesamt würden derzeit sage und schreibe acht Familien in dem Haus, das sie gemietet hätten, ihren Alltag zubringen. In jedem Raum lebten zwei Familien. Der Krieg habe sie in diese Situation getrieben.

Ein ganz ähnliches Schicksal schildert auch Zekeriya Said. In den vergangenen sechs Monate hätte sie mit ihrem verheirateten Sohn in einem Haus mit zwei Zimmern verbracht. Auch sie zahlten 500 Lira Miete für die heruntergekommene Anlage und auch ihr Vermieter möchte sie am liebsten los werden. „Der Wirt kam zu uns und verlangte, dass wir das Haus räumen. Über eine steigende Miete sagte er nichts. Er wollte einfach, dass wir verschwinden. Wir wissen nicht, was wir jetzt tun sollen. Wir arbeiten auf einem Bauernhof. Wir arbeiten, solange es Arbeit für uns gibt.“

Geld spielt keine Rolle: Reiche Syrer untergraben Landsleute

Bestätigt wird die derzeitige Entwicklung auch von Casim Döğen, Immobilienmakler in der Gegend. Gerade in  Reyhanlı hätten sich die Mieten übermäßig gesteigert. Ermöglicht, so seine Sicht der Dinge, hätten das jedoch die Syrer selbst: „Wenn eine syrische Familie zum Beispiel für 500 Lira ein Haus mietet und eine andere syrische Familie kommt und 700 Lira für das gleiche Anwesen bietet.“ So gäbe es viele Geschäftsleute aus Aleppo, die genau auf diese Weise ein Haus finden würden. Den Maklern würden sie sagen: ‘Finde ein Haus für mich. Der Preis spielt keine Rolle.’ Und das zum Nachteil ihrer Landsleute. Auf der anderen Seite würden sich natürlich dann die Vermieter denken, warum soll ich mein Haus für nur 350 Lira vermieten, wenn ich 700 bekommen kann. Und so drehe sich die Spirale weiter. Besonders fatal, so schildert Kollege Gazanfer Yıldız: Einige Familien würde das letztendlich dazu zwingen, nach Syrien zurückzukehren, da sie nicht in der Lage wären, die immer höher werdenden Mieten zu stemmen. Mittlerweile wurden auf der andere Seite rund 2500 syrische Babies in türkischen Flüchtlingslagern geboren (mehr hier).

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