Türkei macht Nägel mit Köpfen: TBB soll eigene Ratingagentur ins Leben rufen

Die türkische Regierung hat den Türkischen Bankenverband (TBB) angewiesen, eine lokale Ratingagentur ins Leben zu rufen. Das gab der türkische Vizepremier Ali Babacan bekannt. Bereits im Januar hatte sich Ankara entschieden, die Dienstleistungen der Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s nicht mehr in Anspruch zu nehmen.

„Es gibt drei oder vier lokale Kredit-Ratingagenturen, doch die sind nicht besonders groß. Wir haben der TBB den Auftrag gegeben, eine neue zu etablieren, die einen höheren Status hat“, zitiert die Zeitung Hürriyet den türkischen Vizepremier Ali Babacan. Der Türkische Bankenverband, so er Politiker bei TGRT am vergangenen Donnerstag weiter, würde bereits daran arbeiten.

Die Konjunkturindikatoren der Türkei wären seiner Ansicht nach höher, als diese zuvor von anderen Ratingagenturen bewertet wurden. Darauf hin jedoch Druck auf die Agenturen auszuüben, um die Bewertung des Landes nach oben zu korrigieren, sei falsch gewesen, räumte der Minister ein.

Herber Schlag von Standard & Poor’s im Mai 2012

Bereits im vergangenen Januar erklärte die internationale Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s die Türkei auch ohne eine vertragliche Grundlage bewerten wolle (Kreditnoten vergeben Ratingagenturen gegen Zahlung einer vertraglich festgelegten jährlichen Gebühr). Umfassende Dienste solle die Türkei hingegen nicht in Anspruch nehmen können. Im Mai 2012 stufte Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei von positiv auf stabil ab. Als Grund wurde das Handelsbilanzdefizit der türkischen Republik angegeben (mehr hier).

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan reagierte damals erbost und äußerte sein Unverständnis über die Herabstufung seines Landes, während Griechenland gleichzeitig hochgestuft wurde. Anschließend ließ er verkünden, dass man den jährlichen Vertrag auslaufen lassen wolle. Hohe Schulden und geringe Exportzahlen der Türkei hatten zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit geführt. Standard & Poor’s korrigierte die Ausblick von positiv auf stabil. Erdogan bezeichnete das als „ideologische Entscheidung“.

Bewertung durch Fitch sorgt für Aufschwung am Aktienmarkt

Im vergangenen November mischte sich dann die Ratingagentur Fitch ein und stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei erstmals seit 18 Jahren wieder herauf (mehr hier). Der „Investment Grade“-Status türkischer Staatsanleihen lautete damit „durchschnittlich gute Anlage“ und „investitionswürdig”, nachdem sie zuvor noch die ganze Zeit über als hochspekulative beziehungsweise als Ramsch bewertet worden waren. Daraufhin erreichten die Aktienkurse in Istanbul ein Rekordhoch. Moody’s hielt sich Ende Januar noch bedeckt. Die Ratingagentur hatte verkündet, dass es derzeit weder zu einer Herauf- noch Herabstufung der türkischen Bonität kommt. Jedoch ist die Ausgangslage für eine künftige Heraufstufung durchaus stabil (mehr hier).

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