NSU-Morde: Erzbistum unterstützt Opferfamilien bei Prozess

Das Erzbistum München-Freising hat allen Familien, die beim Prozess gegen die NSU-Mitglieder als Nebenkläger auftreten, finanzielle Unterstützung zugesagt. Für Fahrt- und Übernachtungskosten der Familien stünden 20.000 Euro zur Verfügung. Das gab Barbara John, Ombudsfrau für die Hinterbliebenen, bekannt.

Hohe Fahrtkosten, dazu noch einmal Hotelzimmer und Co.: Für viele Familien, die beim Prozess gegen die NSU-Mitglieder als Nebenkläger auftreten, wird der Gang zum Bericht nicht nur ein emotionaler, sondern auch ein finanzieller Kraftakt, der kaum zu bewältigen ist. Das Erzbistum München-Freising will diese Menschen mit insgesamt 20.000 Euro unterstützen. Daneben, so heißt es in einer Mitteilung des Erzbistums an diesem Dienstag, würden zum Prozessauftakt am 17. und 18. April 30 Zimmer im Exerzitienhaus Fürstenried für die Angehörigen der Opfer reserviert, falls auf Grund einer zeitgleich stattfindenden Messe in der bayerischen Landeshauptstadt keine Übernachtungsmöglichkeiten bestehen sollten.

Hinterbliebene erhalten praktische Hilfe

Angefragt wurde die Hilfe durch Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer und Opferangehörigen der so genannten Zwickauer Zelle und einstige Berliner Ausländerbeauftragte. Diese gab die Zusage aus München-Freising an diesem Dienstag auch in Nürnberg bekannt, wo sie auf Einladung der Evangelischen Stadtakademie einen Vortrag über ihre Aufgaben und den Kontakt zu den Hinterbliebenen der NSU-Mordserie hielt.

„Es bringt nichts, Tränen zu vergießen. Den Hinterbliebenen muss geholfen werden“, zitiert der Bayerische Rundfunk John, die nach eigenen Angaben fast täglich mit den Opferfamilien in Kontakt stehe, während ihres Vortrags in Mittelfranken. Für die Familien sei eine lückenlose Aufklärung wichtig. Schon im Zuge des Anschlags von Mölln haben viele ihr Vertrauen in den deutschen Staat verloren (mehr hier).

Seit 2012 ist Barbara John die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer der „Zwickauer Terrorzelle“. Sie selbst verstehe sich hier als eine Art Anwältin der Schwachen, so die Professorin für Europäische Ethnologie an der Berliner Humboldt-Universität Ende der vergangenen Woche im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk. Dabei gelte es nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch ganz praktisch zu helfen. So kümmere sie sich unter anderem um Rechtsanwälte oder hilft bei Behördengängen.

Deutsches Gericht brüskiert Gäste aus der Türkei

Während den Opferfamilien im Zuge des anstehenden Prozesses unter die Arme gegriffen wird, brüskierte der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München gleichzeitig den türkischen Botschafter und der Menschenrechtsbeauftragteb des türkischen Parlaments. Denn während des Prozesses gegen die Angeklagten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) werden sowohl der türkische Botschafter als auch der Menschenrechtsbeauftragte des türkischen Parlaments keinen festen Platz im Gerichtssaal bekommen. Der Bitte des NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags um eine Platzreservierungen für die politischen Würdenträger kann, so teilte der Vorsitzende des Staatsschutzsenats des Oberlandesgerichts München, Manfred Götzl, mit, nicht entsprochen werden (mehr hier).

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