Drama von Backnang: Brandopfer werden in der Türkei bestattet

Die Leichen der am vergangenen Sonntag bei einem verheerenden Brand getöteten Türken wurden für eine Autopsie und anschließende Beerdigung zurück in die Heimat gebracht. Dem vorausgegangen war am vergangenen Dienstag noch ein Totengebet in Backnang.

Eine türkische Delegation, darunter auch der türkische Vizepremier Bekir Bozdağ, Forstminister Veysel Eroğlu sowie der stellvertretende AKP-Vorsitzende Mevlüt Çavuşoğlu, war Anfang der Woche in die Nähe von Stuttgart gereist, um in Backnang am Totengebet für die Mutter und ihre sieben Kinder teilzunehmen (mehr hier). Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Nach dem Gebet nutzte Vizepremier Bozdağ noch einmal die Gelegenheit, um sich an die deutschen Behörden zu wenden. Diese sollten in alle Richtungen ermitteln und den Vorfall gründlich untersuchen. „Das Feuer sollte intensiv untersucht werden und keine Zweifel offen lassen. Wir hoffen, dass es kein Brandanschlag oder ein fremdenfeindlicher Angriff war“, so Bozdağ, der in diesem Zusammenhang die Unterstützung der Türkei bei den Ermittlungen anbot.

Nach dem Gebet wurden die Leichname mit einem privaten Flugzeug in die türkische Provinz Afyonkarahisar gebracht, wo sie auch bestattet werden sollen. Angeblich, so schreibt das Blatt weiter, sollen die Toten vor ihrer Beisetzung noch einmal autopsiert werden. Ein Umstand, der auch für die deutschen Behörden ziemlich überraschend wäre. Nichtsdestotrotz solle die Beerdigung der Großfamilie bereits an diesem Mittwoch stattfinden.

Das verheerende Feuer in einem Wohn- und Geschäftskomplex in Backnang brach in den frühen Sonntagmorgenstunden aus. Der Brand soll bisherigen Erkenntnissen zufolge, im ersten Stock des Hauses, in dessen Erdgeschoss auch ein Deutsch-Türkischer Kulturverein ansässig ist, ausgebrochen sein und habe sich dann schnell ausgebreitet. Derzeit gehen die Ermittler von einem defekten Defekt als Brandursache aus. Sowohl in der hiesigen türkischen Community als auch in der Türkei gibt es jedoch Befürchtungen, dass es sich nicht um technisches Versagen, sondern um eine gezielte Attacke handeln könnte (mehr hier). Von allen Seiten werden derzeit Appelle in Richtung der deuschen Behörden laut, intensiv in alle Richtungen zu ermitteln.

Kritik der MHP: Deutsche Behörden zu vorschnell

Erste Kritik an den deutschen Behörden kam bereits von Seiten der türkischen Oppositionspartei MHP. Nach Ansicht des Vorsitzenden Devlet Bahçeli würden diese zu schnell einen fremdenfeindlichen Hintergrund ausschließen. Eine solche, seiner Meinung nach, vorschnelle Erklärung würde auch die weiteren Ermittlungen beeinflussen. Während einer Fraktionssitzung am vergangenen Dienstag äußerte er ganz offen seine Verwunderung, warum Brände in Deutschland meist dort ausbrächen, wo Türken lebten und verwies auf zahlreiche Attacken in der Vergangenheit. In der Zwischenzeit meldete sich auch Professor Faruk Şen, Vorsitzender der türkisch-deutschen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK), zu Wort. Seine Kritik richtet sich sowohl an die deutschen als auch die türkischen Behörden. Beide Seiten hätten den Brandanschlägen der vergangenen Jahre zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Das, so Şen, müsse sich künftig ändern.

Bei dem Feuer am vergangenen Sonntag starben Nazlı Özcan Soykan (40) und ihre sieben Kinder Hatice Soykan (17), Yılmaz Soykan (14), Abdülkadir Soykan (8), İzzet Soykan (7), Yasin Soykan (6), Ahmet Soykan (3) und Murat Soykan (sechs Monate).

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