Abgeschnitten von der Außenwelt: Anatolisches Dorf wartet seit 60 Jahren auf Strom

In Keçikalesi, in der zentralanatolischen Provinz Niğde, ticken die Uhren noch etwas anders. Die rund 60 Bewohner des kleinen Dorfes am südlichen Rand von Kappadokien müssen sich mit Kerzenschein begnügen. Elektrizität gibt es dort nicht - und das schon seit 60 Jahren.

Die Situation für die Dorfbewohner ist unhaltbar. Wie der Einheimische Necati Şimşek der türkischen Zeitung Hürriyet berichtet, wäre das Problem nun schon seit vielen Jahren ungelöst. Und das, obschon die Einwohner Landtitel besäßen und sich auch schon mehrfach an die zuständigen Stellen gewandt hätten.

Doch die Bemühungen in Keçikalesi verhallen offenbar ungehört. „Wir leiden unter einem Mangel an Elektrizität. Mein Vater verstarb mit 60 und er hat diese nie zu Gesicht bekommen. Auch ich bin schon 43 und habe sie nie gesehen. Wir fordern die Unterstützung der Behörden“, beschreibt auch Yunus Şimşek die prekäre Lage, die abseits großer Investitionsbemühungen der türkischen Regierung steht (mehr hier).

Lohnt sich der Stromanschluss nicht?

Doch der fehlende Strom hat nicht nur Auswirkungen auf die Lebensqualität der Dorfbewohner. Sie reichen noch viel weiter. Şimşeks Sohn Recep Şimşek schildert dem Blatt einen Unfall, den er auf Grund der fehlenden Elektrizität hatte. Er habe sich im Dunkeln das Gesicht an einem Herd verbrannt. Seither, so der Bub, könne er nicht mehr zur Schule gehen.

Ob sich die Situation bald ändert scheint jedoch fraglich. Zwar teilte der Gouverneur von Altunhisar, Mehmet Yaşar Yeşiltaş, mit, dass er bereits vor Ort gewesen sei, sich die Lage der Dorfbewohner angesehen und sich auch mit den zuständigen Behörden von MEDAŞ, die für die Stromverteilung zuständig sind, getroffen habe. Dass sich hier jedoch tatsächlich etwas tut und die in Aussicht gestellte Zusammenarbeit des Gouverneursbüros mit der Gemeinde von Keçikalesi tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Denn Keçikalesis Bürgermeister Lütfi Öztürk wähnt einen ganz anderen, pragmatischen Grund hinter der fehlenden Elektrizität. In seinem Dorf würden schlicht zu wenige Menschen leben. „[Die Behörden] sagten, sie könnten uns nicht anschließen aufgrund der unzureichenden Anzahl von Häusern.“ Derweil wurde erst kürzlich bekannt, dass auch der deutsche Konzern E.ON in der Türkei investieren will (mehr hier).

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