Save the Children warnt: Immer mehr Kindersoldaten an Syriens Fronten

Sie müssen als menschliche Schutzschilde, aber auch als Soldaten herhalten. Immer mehr Kinder werden in die seit zwei Jahren tobenden Unruhen in Syrien hineingezogen. Das gab die britische Wohltätigkeitsorganisation „Save the Children“ an diesem Mittwoch bekannt. Es droht der Verlust einer ganzen Generation.

Die Bilanz, die die britische Wohltätigkeitsorganisation „Save the Children“ nach zwei Jahren Unruhen im türkischen Nachbarland Syrien zieht, ist alarmierend. Ganze zwei Millionen Kinder seien unschuldige Opfer des blutigen Konflikts geworden. Ein Bürgerkrieg, der nach Angaben der UN mindestens 70.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Diese Kinder, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet mit Bezug auf den Bericht der Organisation, kämpfen täglich ums Überleben. Ständig wären sie auf der Suche nach etwas Essbarem, Unterernährung und stets lauernde Gefahren, sich mit einer Krankheit anzustecken, bestimmten ihr Dasein. An einen Schulbesuch sei für viele überhaupt nicht zu denken. Ganz im Gegenteil würden gerade junge Mädchen frühzeitig zu einer Heirat gezwungen, um sie auf der anderen Seite so vor drohender sexueller Gewalt zu beschützen.

Kinder in Syrien: Waffen und menschliche Schutzschilde

Doch es geht noch schlimmer: „Zunehmend werden die Kinder direkt in Gefahr gebracht, indem sie durch bewaffnete Gruppen und Sicherheitskräfte rekrutiert werden“, so „Save the Children“. Das sei ein immer häufiger auftretendes Muster von bewaffneten Gruppen auf beiden Seiten des Konflikts. Sie rekrutierten Kinder unter 18 Jahren als Träger, Wachen, Informanten oder gar als Kämpfer. Die Crux dabei: „Von vielen Kindern und ihren Familien wird das mit Stolz betrachtet.“ Doch einige Kinder seien zwangsweise in militärische Aktivitäten verwickelt und in einigen Fällen sogar als menschliche Schutzschilde benutzt worden – und das teils im zarten Alter von acht Jahren.

Eines von drei Kindern, so heißt es in dem Report mit dem Titel „Children Under Fire“ weiter, hätte davon berichtet, geschlagen oder getreten worden zu sein. Andere hätten sogar Kugeln abbekommen. Dabei berufen sich die Briten auf Untersuchungen unter Flüchtlingskindern durch die türkische Bahcesehir Universität. Tausende von Kindern in Syrien würden demnach an Unterernährung leiden. Millionen seien aus ihren Häusern getrieben worden und wären dazu gezwungen, in Parks, Scheunen und in einigen Fällen sogar in Höhlen zu leben.

„Für Millionen syrischer Kinder ist die Unschuld der Kindheit vorbei und durch die grausame Wirklichkeit, wie man in diesem Krieg überlebt, ersetzt worden“, fasst Carolyn Miles von „Save the Children“ zusammen. Viele von ihnen lebten ohne ein Dach über dem Kopf. Lebensmittel seien Mangelware, medizinische Versorgung, wenn sie verletzt oder krank seien, ebenfalls.

Verlorene Generation: Obdachlosigkeit, Hunger und Terror

Hunger, Obdachlosigkeit und Terror hätten für viele dieser jungen Leute die Schule ersetzt. „Wir können nicht erlauben, dass das so weitergeht. Das Leben von zu vielen Kindern steht auf dem Spiel.“ Die britische Wohltätigkeitsorganisation appelliert an alle Parteien des Konflikts, den Zugang zu den Krisenzonen zu ermöglichen. Die Regierungen sollten im Gegenzug aber auch ihren finanziellen Beitrag leisten.

Der Aufstand in Syrien begann im März 2011. Damals wurden Kinder und Jugendliche verhaftet und gefoltert, weil sie ein Anti-Regime-Graffiti in der südsyrischen Stadt Daraa angefertigt hatten. In einem Bericht vom vergangenen Dienstag erklärte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF ebenfalls, dass Kinder in den spiralförmigen Konflikt hineingezogen und als Soldaten rekrutiert würden. Mittlerweile drohe, so mahnte UNICEF-Sprecher Patrick McCormick in Genf, der Verlust einer ganzen Generation. Nach Angaben der UNICEF benötigten fast zwei Millionen Kinder in Syrien unter 18 Jahren dringend Hilfe, rund 800.000 unter 14 wurden vertrieben, mehr als 500.000 Kinder seien vor der Gewalt geflohen. Einige von ihnen wurden gar in Flüchtlingscamps geboren (mehr hier). Wie groß das Trauma bei den Kleinen ist, zeigt sich auch in den provisorischen Schulen in der Türkei (mehr hier).

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