Bloße Verschwörungstheorie? Venezuela will Tod von Hugo Chavez untersuchen

Venezuela will der Gerüchteküche um den Tod von Hugo Chavez offenbar mit einer formellen Untersuchung begegnen. Das gab die Regierung am vergangenen Dienstag bekannt. Nach wie vor kursieren Stimmen, wonach der Krebs des einstigen Präsidenten die Folge einer Vergiftung durch seine Feinde im Ausland gewesen sein soll.

Gegner der Regierung mögen die im Raum stehenden Behauptungen als typische Verschwörungstheorie im Stile Chavez‘ betrachten und die vor allem nur ein Ziel verfolgt: Ängste vor „imperialistischen“ Bedrohungen des sozialistischen Systems Venezuelas nähren und die Menschen so von ihren alltäglichen Problemen ablenken. Doch die venezolanische Regierung meint es offenbar wirklich ernst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe der amtierende Präsident Nicolas Maduro geschworen, eine Untersuchung der Behauptungen zu eröffnen.

Krebs-Tod von Chavez: Sind „dunkle Kräfte“ am Werk?

Neu sind diese Theorien übrigens nicht. Bereits im Jahr 2011 als Chavez die Krebs-Diagnose erhielt, wurden diese von ihm selbst aufgebracht. Nach seinem Tod scheint man nun umso fester entschlossen. „Wir werden die Wahrheit herausfinden“, so Maduro beim regionalen TV-Sender Telesu. Man habe so eine Ahnung, dass Chavez durch „dunkle Kräfte“, die ihn aus dem Weg haben wollten, vergiftet wurde. Um das herauszufinden, so heißt es weiter, würden nun auch ausländische Wissenschaftler mit ins Boot geholt werden, um die Vorwürfe genauer zu untersuchen.

Der 50-jährige Maduro ist der von Chavez selbst bestimmte Nachfolger, der vor den Präsidentschaftswahlen am 14. April nun natürlich versucht, die Aufmerksamkeit weiter auf Chavez zu lenken. Die Intention ist klar: Er möchte natürlich von der Trauer seiner Landsleute profitieren, während die Opposition derweil versucht, seine Kompetenz massiv infrage zu stellen. Sie porträtiert ihn als einstigen Busfahrer, der für die ihm zugedachte Position völlig ungeeignet ist. „Lassen wir doch den Präsidenten (Chavez) in der politischen Debatte aus Respekt vor seinem Gedächtnis, seiner Familie und seiner Anhänger außen vor“, so Henri Falcon Kampagnen-Chef des Oppositionskandidat Henrique Capriles  gegenüber Reportern. Umfragen aus der Zeit vor Chavez‘ Tod ergaben für Maduro einen Vorsprung gegenüber Capriles von mehr als zehn Prozentpunkten. Capriles verlor bereits im verangenen Oktober gegen Chavez mit rund elf Prozentpunkten.

Evo Morales schürt Gerüchteküche

Aufgebracht wurde die Vergiftungstheorie übrigens zuletzt am vergangenen Samstag von Boliviens Präsident Evo Morale. „Nicolas Maduro und die Behörden des Landes werden den Fall gründlich untersuchen, ich bin mir aber so gut wie sicher, dass Chavez vergiftet wurde“, zitiert Ria Novosti Morales Ansprache, die ebenfalls im TV übertragen wurde. Das Imperium habe das gesamte notwendige Arsenal, um Aktionen zum Sturz von Regierungen, Top-Politikern und sozialen Bewegungen zu planen, die gegen den Kapitalismus seien. Wenn es aber dem Imperium nicht gelinge, diese zu besiegen, so heißt es weiter, „packt es die Aufgabe an, diesen oder jenen Top-Politiker zu eliminieren“. Chavez war in der vergangenen Woche mit 58 Jahren gestorben (mehr hier).

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