Vatikan: Was die Muslime vom neuen Papst erwarten

Seit dem vergangenen Mittwochabend hat die Welt einen neuen Papst. Muslime und Katholiken machen zusammen 40 Prozent der Weltbevölkerung aus. Während es 1,2 Milliarden Katholiken gibt, gehören 1,6 Milliarden Menschen dem islamischen Glauben an. Doch in der Vergangenheit war das katholisch-islamische Verhältnis geprägt von Konflikten.

Die Wahl der 266. Papstes erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das muslimisch-christliche Verhältnis sehr angespannt ist. Als Gründe sind die Unterdrückung von Christen in muslimischen Ländern, Islamophobie und Übergriffe in westlichen Staaten, westliche Militäraktionen in Afghanistan, Pakistan, Irak und in Afrika sowie ethnische Spannungen zwischen afrikanischen Christen und Muslimen zu nennen.

Viele Muslime hatten ihre Probleme mit dem ausgeschiedenen Papst Benedikt XVI. Ausschlaggebend dafür, war ein Zitat, das Benedikt XVI. bei seiner Rede in Regensburg im Jahr 2006 benutzt hat. „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden“, zitierte er Kaiser Manuel II.

“Dieser Papst war niemals ein Brückenbauer. Aber die Hoffnung, dass der nächste Papst ein Mann des Dialogs sein wird, bleibt bestehen”, zitiert die Huffington Post den muslimischen US-Klimaforscher, Adil Najam.

Darüber hinaus ist der Vatikan-Staat ist ein entschiedener Gegner eines EU-Beitritts der Türkei. Dies veranlasst viele Muslime zu der Annahme, dass die Religion ausschlaggebend sei für die Ablehnung des türkischen EU-Beitritts. Der Argwohn der Muslime gegen den Vatikan wurde 2006 durch die Auswechslung des Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog (PCID), Michael L. Fitzgerald nur noch verstärkt.

Denn Fitzgerald galt als islamfreundlich. Weitere islamfreundliche Kardinäle sind dem US-Wissenschaftler Chris van Gorder zufolge Angelo Scola of Milan, Francis Arinze und Peter Turkson. In diesem Zusammenhang erwartet auch die Türkei vom neuen Papst eine bessere Verbindung zur muslimischen Welt (mehr hier).

Franziskus I.: Bisher kaum Berührungspunkte mit dem Islam

Der neue Papst galt in seiner Laufbahn als Erzbischof nicht als aktiver Vertreter des christlich-islamischen Dialogs. Erfahrungen in diesem Bereich hat er nicht. Offenbar hatte er in Argentinien auch nicht viele Berührungspunkte mit dem Islam. Das war nicht sein Schwerpunkt. Vielmehr gilt er als „Papst der Armen“, was schon sein Name Franziskus andeutet. Jenen Namen hat er nach Franz von Assisi gewählt, der zu Lebzeiten als „Apostel der Armen“ galt.

Es lassen sich auf den ersten Blick keinerlei Verbindungen zur islamischen Welt finden. Allerdings ist der Einfluss der Kardinäle im christlich-muslimischen Dialog nicht zu unterschätzen. So war es die Aufgabe des Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran den neugewählten Papst der Öffentlichkeit zu verkünden. Tauran ist der für den interreligiösen Dialog zuständige Kurienkardinal und sieht die christlich-muslimischen Beziehungen auf einem guten Weg. 2010 hatt er verkündet, dass ihm die „Islam-Angst“ sorgen mache. Er empfehle das Lesen des Koran, um derartigen Ängsten vorzubeugen.

Neuer Papst Sohn italienischer Einwanderer

Dass es sich bei Franziskus um den ersten nicht-europäischen Papst seit 1300 Jahren handelt, kann man nur bedingt zustimmen. Er kommt zwar aus Argentinien (mehr hier), doch seine Eltern waren Einwanderer aus Italien. Argentinien ist ohnehin kulturell gesehen weitgehend europäisch. Es gibt neben den Italienern auch zahlreiche deutsche Gemeinden. Zudem besitzt Franziskus sowohl die argentinische, als auch die italienische Staatsbürgerschaft.

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