Papst Franziskus I.: Türkei hofft auf bessere Verbindung zur muslimischen Welt

Am vergangenen Mittwochabend um 19.07 Uhr war es soweit: Weißer Rauch stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Die Katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt. Derzeit freuen sich nicht nur mehr als eine Milliarde Katholiken weltweit über den neuen Mann aus Argentinien. Auch in der Türkei beobachtet man das Geschehen im Vatikan genau. Franziskus I. - das ist klar - wird vor allem von Nicht-Christen einer eingehenden Prüfung unterzogen.

Noch immer sind die Äußerungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. im Jahr 2006 in der muslimischen Welt nicht vergessen. Das als Papstzitat von Regensburg bekannt gewordene Diktum, das von einer Reihe von Vertretern des Islams als „Hasspredigt“ heftig kritisiert wurde, wirkt bis heute nach. Und das, obwohl Joseph Ratzinger während seiner achtjährigen Amtszeit viel für den interreligiösen Dialog getan hat.

Franziskus I. ist Hoffnung für den Weltfrieden

Nun hat also ein Argentinier das Pontifikat inne. In den Istanbuler Cafés, so berichtet an diesem Donnerstag das Nachrichtenmagazin euronews, wurde die Botschaft aus Rom mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Auch am Bosporus haben die Menschen das erste Erscheinen von Jorge Mario Bergoglio auf dem Balkon des Petersdoms am TV mitverfolgt. „Ich hoffe, der neue Papst lässt die Menschen nicht den vorherigen wieder herbeisehnen. Ich glaube, dass dieser Wechsel dem Weltfrieden dienlich sein wird. Auch für die muslimische Welt wird er besser sein“, zitiert das Nachrichtenmagazin einen Türken auf offener Straße.

Auch Benedikt XVI. machte nach der Kontroverse vor sieben Jahren mehrere Besuche in islamischen Ländern, einschließlich der Türkei, um so erneut Brücken zu bauen. Doch für einige, so heißt es weiter, sei der Schaden bereits angerichtet. „Wir sind Muslime, wir begrüßen diese Art von Aussagen nicht. Wir können uns nicht in ihre Angelegenheiten einmischen. Doch ich hoffe, dass dieser Papst anders als der vorherige sein wird“, so ein weiterer Cafébesucher.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Rücktritts von Benedikt XVI. (mehr hier) formulierte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu seine Hoffnungen und Wünsche. Insgesamt hoffe man auf eine enge Zusammenarbeit mit den Muslimen, um gemeinsam gegen Islamophobie zu kämpfen. So sei es nach Ansicht von Davutoğlu nun extrem wichtig, welche Haltung der neue Pontifex zu den Themen zunehmender Rassismus in Europa sowie Islamophobie einnehme (mehr hier). „Wir legen größten Wert auf religiöse Toleranz für die Sicherung des Friedens im Nahen Osten und in der Welt“, stellte Davutoğlu in diesem Zusammenhang noch einmal heraus. „ [Wir hoffen, dass] er eine Haltung zugunsten einer engen Zusammenarbeit mit den Muslimen haben wird. Derzeit gibt es eine Notwendigkeit für eine solche Position in Europa mehr als je zuvor.“ Das Pontifikat, so der Außenminister, habe nicht nur eine religiöse Rolle, sondern spiele derzeit auch eine sehr wichtige politische Rolle in der Welt (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Vatikan: Der neue Papst kommt aus Argentinien
Vatikan: 20 weitere Spitzel wollen vor Papst-Wahl reden
Hoffen auf den neuen Papst: Davutoğlu wünscht sich Kooperation gegen Islamhass

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.