Soziale Medien: Araber sollen Extremismus im Netz bekämpfen

Die arabischen Innenminister wurden angewiesen, der Ausbreitung des Extremismus durch Soziale Medien mit eigenem Cyber-Know-how entgegenzutreten. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Konferenz in Riad am vergangenen Mittwoch.

Mohammed Kuman, Leiter des Rates der arabischen Innenminister, erklärte, dass „extremistisches Gedankengut (…) in sozialen Netzwerken zu einer großen Zunahme terroristischer Handlungen, politischer Morde und sektiererischer Konflikte“ geführt hätte. Da es jedoch unmöglich geworden sei, die im Netz kursierenden Inhalte zu kontrollieren, sei es wichtig eine Gegenstimme zu entwickeln. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Ideen können nur mit Ideen bekämpft werden“, so Kuman während seiner Eröffnungsrede. In der Tat nutzen Terrororganisation wie Al-Qaida sowie ihre regionalen Ableger das Internet mittlerweile über alle Maßen, um dort ihr Gedankengut zu verbreiten, Bekennerschreiben für Terroranschläge zu veröffentlichen oder schlicht mit ihren Anhängern zu kommunizieren. Neben gezielten Maßnahmen im Netz ist für Kuman jedoch noch ein weiterer Weg der Terrorbekämpfung entscheidend: Derartiger  Extremismus könnte auch durch Rehabilitations-Programme für Al-Qaida Kämpfer, die entweder freiwillig ausgestiegen sind oder verhaftet wurden, angegangen werden.

Seit 2010 kommt es in der arabischen Welt zu einer Welle von Volksaufständen und Protesten, die auf Websites wie Facebook und Twitter organisiert wurden. Welche Rolle das Internet im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling jedoch tatsächlich gespielt hat, ist nach wie vor ein vieldiskutiertes Thema. Bewusst genutzt wird das Netz derzeit jedoch von arabischen Frauen, die nun für ihre Rechte kämpfen. Arabische Cyberaktivisten starteten Anfang Oktober vergangenen Jahres auf Facebook eine Kampagne, die die „Diskriminierung“ von Frauen in der arabischen Welt an den Pranger stellt (mehr hier).

Besorgniserregend ist derweil der Umstand, dass Kuman keine Angaben darüber macht, wie die Gegenideen zu extremistischem Gedankengut eigentlich aussehen sollen. Erst Anfang Januar dieses Jahres hatte ein Gericht in Kuwait einen Mann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den Herrscher des Landes via Twitter beleidigt haben soll. Der Fall zeigte erneut die rigiden Bemühungen, sämtliche Kritik an ihren Obrigkeiten in den Sozialen Medien im Keim zu ersticken (mehr hier). Es steht also durchaus zu befürchten, dass künftig nicht nur Kritik an Obrigkeiten oder Beleidigungen des Propheten als Vorwand genutzt werden, um die eigene Bevölkerung mundtot zu machen, sondern auch ein vermeintlicher Kampf gegen den Terror.

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