Lückenschluss an deutschen Schulen: „Türkei heute: Menschen, Kulturen, Kontinente”

Es soll eine „türkische“ Reform in den Lehrbüchern an Schulen geben, denn der deutsche Bildungsansatz wäre nicht mehr zeitgemäß. Um die Lücken im deutschen Lehrplan zu schließen, ist das erste Lehrbuch für den Unterricht schon gedruckt - "Türkei heute: Menschen, Kulturen, Kontinente".

Deutschland ist ohne Frage ein Einwanderungsland. Diese Tatsache kommt jedoch im Unterricht an deutschen Schulen einfach zu kurz. Mittlerweile stammen 32 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahren aus Einwandererfamilien – in Städten wie Frankfurt und Stuttgart sogar mehr als die Hälfte. Trotz dieser enormen Zahl kommen Länder wie die Türkei, Italien und Griechenland in den Lehrplänen kaum vor. An den Universtitäten hält hingegen langsam die islamische Theologie Einzug (mehr hier).

Das soll sich nun mit dem neuen Themenheft „Türkei heute: Menschen, Kulturen, Kontinente” ändern. Das Projekt richtet sich an alle Schüler ab der 8. Klasse. „Wir haben die Lehrpläne der Bundesländer analysiert und festgestellt, dass das fehlt”, sagt Ann-Kathrin Engler vom Zeitbild-Verlag, der das Themenheft herausgebracht hat, zum Mediendienst Integration. Viele Lehrer hätten auch gerne solch ein Heft für den Unterricht. Kein Wunder – denn vor allem in der Geschichtsauffassung würde es viele Lücken in vorhandenen Schulbüchern geben.

Die Geschichte der Deutschen soll weiterentwickelt werden

Wie aus einer Studie an der Universität Hannover hervorgeht, sind die Themen der Herkunftsländer in den meisten Schulbüchern verzerrt. Das Bild von anderen Ländern würde lange nicht mehr dem entsprechen, was im Lehrplan behandelt wird. Prof. Dirk Lange für Didaktik der Politischen Bildung, so berichtet das Portal weiter, sei derselben Auffassung: In den Schulbüchern werde weiterhin eine deutsche Nationalgeschichte wiedergegeben, die sich aber zu einer Geschichte der Deutschen weiterentwickeln müsse, die die Identitäten und Geschichten aller Schülerinnen und Schüler einschließe. Schon 2011 begrüßten Muslime in NRW die Einführung von Islamunterricht (mehr hier).

Eine andere Studie mit dem Titel „Bilder von Fremden” kam bereits im Jahr 2005 zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Analyse hessischer und bayerischer Schulbücher ergab zu jener Zeit: „bei der Darstellung von Einwanderern wird häufig ihre Andersartigkeit und Fremdheit betont – sei es bei der ‚Nation‘, ‚Kultur‘, ‚Religion‘, ihrer Haltung zur Modernität oder gar ihrem Aussehen”. Die Darstellungen vermittelten bisher, dass die Nachkommen türkischer Einwanderer nach wie vor in der Türkei und nicht in der Bundesrepublik Deutschland beheimatet sind.

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