Annäherung: Türkische Polizei in Diyarbakır lernt jetzt Kurdisch

Sicherheitskräfte im Südosten der Türkei arbeiten an einem besseren Miteinander. Um sich mit der hiesigen Bevölkerung effektiver verständigen zu können, lernen die Polizisten jetzt Kurdisch. Insgesamt nehmen 140 Beamte in Diyarbakır und Siirt nach Dienstschluss an entsprechenden Kursen teil. Darüber hinaus wurden 30 Polizisten, die Kurdisch sprechen, in Batman verpflichtet.

Kurdisch für Polizisten – diese Initiative geht zurück auf den Polizeichef Recep Güven. Erst kürzlich wurde er in Diyarbakır wiedergewählt. Zuvor hatte er den Posten schon einmal von 1991 bis 1996 inne. Also in einer Zeit, in der sich der Terror in dieser Region massiv intensiviert hatte. Nun nehmen allein in seinem Bezirk 90 Polizisten an Kurdischkursen teil. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Der Unterricht, so heißt es weiter, werde nach Schichtende abgehalten. In den einzelnen Stunden lernen die Polizisten dann eine Reihe von häufig verwendeten Wörtern und Sätzen in kurdischer Sprache. So würden sie unter anderem lernen, ihr Gegenüber nach dem Ausweis oder ihrer Adresse  zu fragen. Mittlerweile kämen die hier erworbenen Kenntnisse auch schon im täglichen Dienst zur Anwendung. Nach insgesamt 20 Stunden würden die Beamten darüber hinaus ein entsprechendes Zertifikat erhalten.

Vertiefung der Sprachkenntnisse helfen Kurdenproblem zu lösen

Die Intention hinter den Kurdischklassen erläutert auch Polizei-Department-Chef Dr. Mustafa Dönmez: „Wenn wir etwas über die Lebensweise einer Kultur innerhalb unserer Gesellschaft lernen wollen, dann müssen wir lernen, ihre Sprache zu sprechen. Diese neue Initiative für die Polizei Kurdisch zu lernen, wurde gut aufgenommen. Wir haben auch das Gefühl, dass es einen positiven Effekt auf die Lösung des Kurdenproblems hat. Diese Art von Ansatz wird eine deutlich positive Wirkung auf die Öffentlichkeit haben. Am 10. April, dem Tag der Polizei, werden wir Plakate sowohl auf Kurdisch als auch auf Türkisch aufhängen.“

In Siirt, so berichtet das Blatt weiter, würden die Polizeibeamten darüber hinaus auch Arabisch lernen können. Auch hier sei der Grund ein ganz pragmatischer, wie Bürochef Mustafa Durmaz erläutert: „In unseren westlichen Provinzen lernen unsere Mitarbeiter Sprachen wie Englisch, Deutsch und Russisch, um mit den Touristen kommunizieren zu können. In unserer Region sprechen die Menschen Kurdisch als auch Arabisch. Deshalb haben wir beschlossen, Kurdisch und Arabisch zu lernen, um durchzukommen und zu kommunizieren.“ Noch immer sträubt sich der Premier allerdings hartnäckig Kurdisch als offizielle Unterrichtssprache zuzulassen (mehr hier).

In der Bevölkerung kommt dieser Vorstoß offenbar gut an. So meint etwa der Händler Ramazan Peker: „Das ist etwas, das schon vor langer Zeit hätte umgesetzt werden sollen. Wir sind sehr erfreut darüber, dass die Bürger nun bequemer ihre Probleme und Schwierigkeiten erklären können.“ Auch in Moscheen geht es künftig mehrsprachig zu (mehr hier).

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