Arabischer Frühling: Christen und Minderheiten droht der Untergang

In Bad Kissingen fand eine Tagung zum Thema „Arabischer Frühling“ statt. Dabei wurde die Situation der Christen in Syrien und im Nahen Osten unter die Lupe genommen. Es wird befürchtet, dass es zu einem landesweiten Exodus von Christen aus Syrien kommt. Diese Feststellung ist begründet. Schon heute verlassen orientalische Christen zu Hunderttausenden das Land.

Einige der urchristlichen Gemeinden wurden ins Syrien gegründet (Screenshot via Youtube).

Einige der urchristlichen Gemeinden wurden ins Syrien gegründet (Screenshot via Youtube).

Vergangenen Februar veranstaltete der „Arbeitskreis Volksgruppen und Minderheiten“ in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Institut für Nationalitätenrecht und  Regionalismus (INTEREG) in Bad Kissingen eine Tagung zum Thema „Arabischer Frühling“. Im Fokus stand die Situation der „orientalischen Christen“. 46 Personen nahmen an der Tagung teil. Als Örtlichkeit wurde die Bildungs- und Begegnungsstätte „Heiligenhof“ gewählt. Das geht aus einer Mitteilung der Assyrischen Demokratischen Organisation (ADO) hervor, die den DTN vorliegt.

Die Orientalistin Armenuhi Drost-Abgajan betonte, dass in Syrien ein Exodus der Christen stattfände. Zu Tausenden würden sie ihre Kulturzentren in Syrien und Aleppo  „aufgrund der Verunsicherung durch die Neuordnung der politischen Kräfte verlassen“. Man könne beobachten, dass im Zuge des „Arabischer Frühlings“ zunehmend islamisch geprägte Verfassungen verankert werden. Die Leidtragenden seien Frauen, ethnische Minderheiten und Glaubensgemeinschaften, so Drost-Abgajan.

Der zweite Vorsitzende der ADO, Issa Hanna, erklärte, dass es für die Christen in Syrien nur zwei Möglichkeiten gebe. Entweder sie bleiben in Syrien oder sie wandern aus. Eine Alternativlösung liege ihm zufolge nicht vor.

Deshalb plädiere er in Syrien für die Verhinderung jeder Form von Tyrannei. Zudem müsse das Land einen rein zivilen und säkularen Staatscharakter bekommen. Sowohl Kollektiv-, als auch Individualrechte müssen ihren Einschlag finden. Weiterhin sprach er sich für allgemein gültige Prinzipien aus, die von jedem Syrer eingehalten werden sollen. Die wirtschaftliche Entwicklung hingegen müsse sich einer Steuerung unterziehen. Hanna plädierte an die Teilnehmer, sich mehr für die Anliegen des assyrischen Volkes einzusetzen, um es vor Entwurzelung und Ausrottung zu bewahren.

Der promovierte Historiker und Journalist Josef Croitoru wies darauf hin, dass die Situation der Kopten in Ägypten nicht so schlimm sei, wie es oft dargestellt wird.

Der im vergangenen Jahr verstorbene Papst Shenouda III  sei verantwortlich für die „aggressive Haltung der Muslime gegen die christliche Bevölkerung“. Er habe sich vehement gegen die Öffnung der Kirche gewehrt. Die koptische Kirche taumele zwischen Korruption und Gewaltbereitschaft. Doch die Mehrheit der koptischen Christen sehe sich als Ägypter und sei offen für gesellschaftliche Veränderungen.

Islamistische Rebellen hatten vergangene Woche das arabisch-christliche Bergdorf Yacoubiyeh erobert. Die Christen des Dorfes sind daraufhin aus Angst vor Massakern geflüchtet (mehr hier). Auch die Minderheit der Alawiten in Syrien ist einer Ausrottung durch die Rebellen ausgesetzt (mehr hier). Die Angehörigen dieser weltlichen Strömung innerhalb des Islams werden insbesondere von Islamisten und Ländern wie Saudi Arabien und Katar als Ketzer und unislamisch angesehen.

Die berüchtigste Parole der islamistischen Rebellen in Syrien lautet „Christen nach Beirut, Alawiten in den Sarg“. Eine unmissverständliche Aussage und Aufforderung.

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