Islamisches Bankwesen: Russische Muslime entdecken alternatives Finansystem für sich

Das islamische Bankenwesen weckt bei vielen russischen Muslimen ein großes Interesse. Weltweit handelt es sich dabei um eine Alternative zum traditionellen Finanzwesen. Auch die Europäer beginnen, sich damit zu beschäftigen. Doch in Russland lehnt man „Islamic Banking“ kategorisch ab.

Das Interesse der russischen Muslime am islamischen Bankenwesen wächst. Voice of Russia zufolge wurde 2009 und 2010 im Rahmen einer Umfrage herausgefunden, dass 97 Prozent der Muslime der Russischen Föderation sich vorstellen können, sich als Kunden bei islamischen Banken einzuschreiben. Doch derzeit müssen noch alle Muslime am traditionellen russischen Bankensystem teilnehmen. Der russische Gesetzgeber erkennt die Legitimität des islamischen Bankenwesens nicht an.

Nach der Verordnung der russischen Zentralbank wurde die erste islamische Bank in Russland im Jahr 2006 geschlossen. Begründung: Beihilfe zum Terrorismus. Die Bank hieß „Badr-Forte“. „Es gab und gibt immer noch einige Leute bei der Zentralbank, die kategorisch gegen das islamische Bankenwesen sind“, zitiert The Moscow News Renat Bekkin. Bekkin ist Professor an der Moskauer Staatsuniversität für internationale Beziehungen.

Dabei stellen islamische Bonds einen Wachstumsmarkt dar. Bis 2030 könnte die Anzahl an Muslimen in der Russischen Föderation auf 18,6 Millionen ansteigen. Damit vergrößert sich auch die potentielle Zielgruppe. Doch auch Nicht-Muslime interessieren sich vermehrt an islamischen Bonds. Den Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge könnte die weltweite Nachfrage nach islamischen Anleihen bis zum Jahr 2017 die 900 Milliarden US-Dollarmarke erreichen. Zudem könnten auch Russland aus der finanziellen Misere helfen (mehr hier).

Der wichtigste Unterschied des „Islamic Banking“ zum herkömmlichen Bankwesen ist das Zinsverbot. Die Investoren werden beim islamischen Bankenmodell theoretisch zu Teilhabern, Sie erhalten deshalb eine Gewinnbeteiligung. Weltweit nutzen allerdings nur 12 Prozent der Muslime islamische Finanzprodukte. Insgesamt stellt sie ein alternatives finanzwirtschaftliches Modell dar (mehr hier).

Allerdings wird sich die Durchsetzung des islamische Bankenwesens in Russland schwieriger gestalten, als in anderen Ländern. Der Kreml richtet sich gegen alle Organisationen und Institutionen, die ihren Ausgangspunkt im Ausland haben und nicht unter russischer Kontrolle befinden. Die Angst vor einer schleichenden Islamisierung innerhalb der eigenen muslimischen Bevölkerung ist groß.

Zu Bedenken ist, dass die Mehrheit der islamischen Banken sich in Händen der arabischen Golfstaaten befinden. Die Wahabiten spielen im islamischen Finanzwesen eine herausragende Rolle. Aus russischer Sicht sind es dieselben Wahabiten, die den radikalen Islamismus im Kaukasus finanzieren und fördern.

http://www.youtube.com/watch?v=MaMR55byLcw

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