Angst vor türkischen Behörden: Lesbisches Paar aus Holland taucht mit Pflegekind ab

Christliche oder homosexuelle Pflegeleter für muslimische Kinder: In der Türkei kommt diese Praxis derzeit gar nicht gut an. Ein lesbisches Paar aus Holland fürchtet nun um sein neunjähriges Pflegekind. Die beiden Frauen zogen die Konsequenzen und tauchten mit ihrem Schützling ab.

Das lesbische Paar, so berichtet Dutch News an diesem Freitag, kümmere sich bereits seit seinem fünften Lebensmonat um den kleinen Yunus. Dessen leibliche Mutter habe lange für dessen Rückkehr in die eigene Familie gekämpft. Letzte Woche dann der vorläufige Höhepunkt: Die Frau meldete sich mit einem emotionalen TV-Appell im türkischen Fernsehen zu Wort. Bereits seit Wochen wird der Fall des Jungen breit in der türkischen Öffentlichkeit diskutiert (mehr hier).

Nachdem bereits der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ die türkischen Vertreter im Ausland um Starthilfe in den Bemühungen, Yunus zurückzuholen, gebeten hat. Setzen nicht wenige nun alle Hoffnungen auf die Visite von Premier Recep Tayyip Erdogan, der in der kommenden Woche in die Niederlande reisen wird. Derzeit befasst sich außerdem eine parlamentarische Kommission mit dem Thema. Die These: Werden muslimische Kinder in christliche oder gleichgeschlechtliche Pflegefamilien gegeben, würde dies zu einer Entfremdung von ihrem eigenen kulturellen Hintergrund führen. Im Fall von Elif Yaman war er bereits erfolgreich (mehr hier).

Holländische Familie wechselt den Wohnort

Die Sozialen Kinderdienste in Den Haag zeigen sich auf der andere Seite äußerst besorgt über die anhaltende Debatte in der Türkei. „Auf Grund dieser Situation kann Yunus nicht einmal mehr zur Schule gehen“, so ein Vertreter zu Nos-TV. Auf die betreffende Familie selbst, so schreibt auch Dutch News weiter, sei bisher kein direkter Druck ausgeübt worden. Doch die Familie habe mittlerweile den Wohnort gewechselt.

Die beiden Mütter haben einen fantastischen Job gemacht, heißt es gegenüber dem Volkskrant. „Sie haben seinen ethnischen Hintergrund erforscht, die Türkei besucht und lernen Türkisch. Aber diese Hexenjagd bedeutet, dass sie immer wieder in Frage gestellt werden, in der Schule, auf der Straße, in der Bäckerei.“ Derweil, so heißt es weiter, hätten Yunus leibliche Eltern ihre Sachen gepackt und seien mit den beiden verbliebenen Kindern zurück in die Türkei, um zu verhindern, dass auch diese zu dem gleichgeschlechtlichen Paar gebracht würden. Dies habe nach Angaben des Volkskrant dazu geführt, dass die Eltern wegen Entführung sogar eine kurze Zeit im Gefängnis verbracht hätten.

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