TurkStat: Einer von fünf türkischen Jugendlichen ist ohne Arbeit

Einer von fünf jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren war in der Türkei im vergangenen Dezember ohne Arbeit. Damit steigt die Jugendarbeitslosigkeit des Landes auf 19,8 Prozent. Das geht aus Daten des türkischen Instituts für Statistik (TurkStat) hervor. Damit liegt das Land jedoch noch immer unter EU-Niveau.

Wie das türkische Statistische Institut (TurkStat) am vergangenen Freitag bekannt gab, zog die Arbeitslosenquote im vergangenen Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent auf 10,1 Prozent an. Mit diesem Wert wurde erstmals nach dem Februar 2012 wieder ein zweistelliger Bereich erreicht. Das berichtet die türkische Hürriyet. Dabei war die Entwicklung im Sommer 2012 eigentlich recht gut. Bereits das zweite Quartal in Folge konnte die Türkei ihre Arbeitslosenzahlen auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren halten. Nachdem diese im Mai 2012 auf 8,2 Prozent gesunken waren, konnte für die Zeit von Mai bis Juli ein weiterer Rückgang auf acht Prozent verbucht werden (mehr hier).

Vor allem junge Männer haben es schwer

Wie TurkStat in diesem Zusammenhang herausstellt, sei die Arbeitslosenquote im nicht-landwirtschaftlichen Sektor um 0,4 Prozent auf 12,4 Prozent gestiegen. Ein wesentlich deutlicherer Anstieg gab es jedoch im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit zu verzeichnen. Hier kletterte der Wert im Vergleich zu 2011 um 1,7 Prozent auf nunmehr 19,8 Prozent. Vor allem junge Männer, das zeigte bereits eine Untersuchung im Jahr 2012, kommen auf dem türkischen Arbeitsmarkt nur schwer unter. Gut 63 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die sich bei der türkischen Arbeitsagentur (İŞKUR) melden, seien demnach junge Männer. Die meisten Antragsteller sind erst zwischen 15 und 24 Jahre alt (mehr hier).

Die Türkei ist bekanntermaßen jedoch nicht das einzige Land, das mit einer hohen Jugendarbeitslosenquote zu kämpfen hat. Wie die Dezemberzahlen aufzeigen, liegt die türkische Jugendarbeitslosigkeit aber noch unter dem EU-Niveau. Diese lag nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat bei 23,4 Prozent innerhalb der 27 Mitgliedstaaten und bei 24 Prozent in der gesamten Eurozone. Dort leiden vor allem die jungen Leute in Südeuropa, also Staaten wie Italien, Spanien oder Griechenland, unter den Folgen der Krise. Schon jetzt warnt die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) hier vor einer „verlorenen Generation“ – und das trotz guter Schulabschlüsse und Ausbildungen. In Deutschland, so heißt es in einem entsprechenden Papier des Leibniz-Instituts für Länderkunde, wäre ein gegensätzlicher Prozess im Gang. Hier würden beispielsweise aufgrund der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren zunehmend Lehrlinge und junge Arbeitskräfte fehlen. Die Schlussfolgerung: Möglicherweise würden diese Ausbildungsplätze künftig verstärkt von jungen Arbeitskräften aus dem EU-Ausland besetzt.

Türkische Migranten zieht es von Deutschland in die Türkei

So lange wollen junge Leute mit türkischen Wurzeln hierzulande offenbar nicht warten. Denn zu beobachten ist derzeit auch ein anderer Trend. In den Jahren 2007 bis 2011 sind 193,000 in Deutschland lebende Türken dauerhaft in die Türkei zurückgekehrt. Am häufigsten waren Arbeitslosigkeit und Diskriminierung ausschlaggebend für die Rückwanderung. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Erhebung der türkisch-deutschen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK). „Die Rückkehr aus Deutschland in die Türkei ist in der Zeit von 2007 bis 2011 unter jungen Migranten spürbar angestiegen. Selbst junge Türken, die einen Beruf und Eigentum in Deutschland haben, kehren zurück. Die wichtigsten Gründe hierfür sind Diskriminierung und Arbeitslosigkeit“, so Şen im Gespräch mit der türkischen Hürriyet (mehr hier).

Wie die aktuellen Zahlen von vergangenem Freitag darüber hinaus zeigen, ist damit auch die Gesamtzahl der türkischen Arbeitslosen im Dezember 2012 auf 2,79 Millionen angestiegen. Gleichzeitig sei die Zahl der Arbeitskräfte von 23.67 im Vorjahreszeitraum auf 24.76 Millionen gewachsen. Die Erwerbsquote lag bei etwa 50 Prozent. Das Amt für Statistik konnte in der vergangene Woche jedoch schon wieder einen leichten Abwärtstrend verzeichnen. Aktuell ist die Arbeitslosenquote auf 9,2 Prozent im Vergleich zu 9,8 Prozent im Jahr 2011 gesunken.

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