Solidarität mit Halil İbrahim Dinçdağ: Internationale Diplomaten stehen hinter homosexuellem Referee

Bereits vor zwei Jahren sorgte die Geschichte des türkischen Referees Halil İbrahim Dinçdağ für Aufsehen. Damals verklagte er den Türkischen Fußballverband (TFF), weil dieser seine Homosexualität öffentlich gemacht hat. Seither ringt der einstige Schiri um sein berufliches Fortkommen. Sein juristischer Kampf hat nun internationale Unterstützung erfahren.

Es war ein Freundschaftsspiel der ganz besonderen Art: Internationale Mitarbeiter der Botschaften in Ankara traten am vergangenen Freitag gegeneinander an, um dem einstigen türkischen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ Solidarität aus 19 Ländern zukommen zu lassen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Bereits im März 2011 ließ der Referee die Fußballwelt wissen: „Ich werde so lange kämpfen, bis ich meine Rechte als Schiedsrichter zurück bekomme. Homosexualität gehört in Europa zur Normalität. Ich bin traurig darüber, dass es in der Türkei nicht der Fall ist.” Halil İbrahim Dinçdağ beklagt, dass er durch die Bekanntmachung seiner Homosexualität seinen Beruf als Schiedsrichter aufgeben musste und seither Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche habe. Er und sein Anwalt hätten vergebens versucht, mit dem Verband bezüglich dieser Angelegenheit in Kontakt zu treten. Dieser habe jedoch kein Interesse an einem Dialog gehabt (mehr hier). Schließlich war der Referee sogar so weit, dass er im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten anklingen ließ, die Türkei verlassen zu wollen (mehr hier).

Dinçdağ sieht sich durch internationale Unterstützung gestärkt

„Fußball gehört nicht nur den heterosexuellen Männern; Frauen, Männer, schwule und lesbische Menschen können Fußball ebenso genießen. (…) Es gibt eine offensichtliche Diskriminierung [gegen Dinçdağ] aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Nicht nur Lesben, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen, sondern auch alle Fußballfans verliehen ihm ihre Unterstützung im Kampf gegen Diskriminierung“, so Ali Erol, Generalsekretär der in Ankara ansässigen Schwul-Lesbischen Kulturforschungs und Solidaritäts-Vereinigung (Kaos GL).

Unter der Ägide der Kaos GL fand auch das internationale Fußballmatch am vergangenen Freitag statt. Anschließend fand eine Diskussion an der Universität von Ankara mit dem Titel „Forum für Sport gegen Diskriminierung“ statt. Dinçdağ selbst wurde auf dem Spielfeld als Schiedsrichter eingesetzt. Die ihm zuteil gewordene Unterstützung nahm dieser mit Rührung auf. Diese zeige ihm, dass sein Prozess gegen den TFF der richtige Weg sei. Einladungen zu Freundschaftsspielen bekomme er mittlerweile häufiger. Auch eine von deutschen Fans sei dabei. So werde er demnächst zu Bayern München reisen. „Dass Homophobie im Fußball sehr häufig ist, wurde erst kürzlich diskutiert. Aber die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass sich die Situation allmählich zu ändern scheint“, gibt er sich vorsichtig optimistisch.

Gutachten bescheinigt TFF Diskriminierung

Dinçdağ kämpft mittlerweile bereits seit zwei Jahren gegen den Verband. Dieser streitet die Vorwürfe des Referees vehement ab. Stattdessen beruft man sich auf seine Leistungen als Schiedsrichter. Ein dem Gericht vorliegendes Gutachten attestiert dem Verband hingegen Diskriminierung. Es gilt, so die Hürriyet, als wahrscheinlich, dass der TFF am 21. Mai verurteilt und zu einer Entschädigungszahlung verdonnert wird. Daneben verlangt Dinçdağ die Rückgabe seiner Schiedsrichterrechte. Falls ihm das verweigert werde, würde er sich an die internationalen Fußball-Gremien der FIFA und UEFA wenden.

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