Keine Einbahnstraße: Türkisch-deutsche Migration findet in beide Richtungen statt

Die Zahlen der türkisch-deutschen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK) ließen aufhorchen. In den Jahren 2007 bis 2011 sollen 193,000 in Deutschland lebende Türken dauerhaft in die Türkei zurückgekehrt sein. Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille. Noch immer kommen jedes Jahr rund 30.000 Türken in die Bundesrepublik.

Die jüngste Migrationswelle vor allem junger türkischstämmiger Leute von Deutschland in die Türkei ist nicht als Einbahnstraße zu betrachten. Gut 30.000 treten Jahr für Jahr den Weg in die umgekehrte Richtung an. In der Hoffnung, sich in der stärksten Volkswirtschaft der Eurozone ein neues Leben aufbauen zu können. Das berichtet die türkische Zeitung Hürryiet.

Kreisförmige Bewegung zwischen Deutschland und der Türkei

Rund 50.000 Türken, so ließ die türkisch-deutsche Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK) in der vergangenen Woche verlauten, hätten in letzter Zeit Jahr für Jahr die Bundesrepublik verlassen (mehr hier). Auf der anderen Seite, so stellt nun der Soziologe Yaşar Aydın von der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universtität Hamburg  heraus, wären allein 2010 30,171 Türkinnen und Türken nach Deutschland gekommen. Im Gespräch mit dem Blatt verweist der wissenschaftliche Mitarbeiter auf eine „zirkulierende Migration und Mobilität“. Denn für mindestens zwei Drittel dieser 30.000 Personen, die nach Deutschland migriert seien, wäre es nicht ihre erste Reise hierher, was zeige, dass es eine kreisförmige Bewegung zwischen Deutschland und der Türkei gebe.

Junge Leute loten ihre Chancen in der Türkei aus

Mit Blick auf die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen der TAVAK, sieht  Yaşar Aydın hier eher einkommensstarke Türken betroffen und nicht diejenigen, die auch hierzulande nicht viel verdienen. Ähnlich wie der Kollege in Deutschland, betrachtet auch İdris Akkuzu von der Istanbuler Maltepe Universität die Migrationsbewegungen der türkischen Bürger als Aktivitäten in beide Richtungen. Von einem Rückzug, so schreibt das Blatt, wolle auch sie nicht sprechen. Vielmehr lote eine große Mehrheit derer, die in die Türkei zurückkämen, hier ihre Chancen aus, was aber nicht bedeute, dass sie nicht auch wieder nach Deutschland zurückgingen. Er spricht von einer Schubwirkung aus Deutschland, vor allem im Bezug auf das Thema Diskriminierung und einer gleichzeitigen Sogwirkung aus der Türkei durch immer moderner werdende Städte, die junge, gebildete Türken in die Türkei ziehen ließen. Doch statt das als dauerhafte Rückkehr zu bezeichnen, sei es eben angemessener hier von „Chancen ausloten“ zu sprechen. Ohnehin könne man auf Grund der großen türkischen Community in Deutschland nicht von einer massiven Rückwanderung sprechen. Auf der anderen Seite hat etwa die Hälfte aller Deutsch-Türken keine Ausbildung (mehr hier).

Bestätigt wird das auch von Ayşe Demir, stellvertretende Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Ihr zufolge würden Jahr für Jahr gut 30.000 Akademiker türkischer Herkunft aus Deutschland in die Türkei gehen. Noch immer sei in Deutschland keine Willkommenskultur vorhanden. Junge und gut ausgebildete Menschen würden verzweifelt nach Möglichkeiten suchen, um hier einen Job zu finden. Sie vertritt jedoch die Ansicht, dass die Abwanderung von Türken aus Deutschland in die Türkei auf dem Vormarsch sei. „Deutschland hat erst vor kurzem akzeptiert, dass es ein Einwanderungsland Land ist, doch Diskriminierung bleibt ein ernstes Problem in der Beschäftigungspolitik. Türkische Studenten, die die gleichen

Grade und Diplome wie ihre deutschen Kollegen haben, erhalten nicht so einfach die Positionen wie die Deutschen oder einige andere Minderheiten.“ Dabei braucht Deutschland eigentlich mehr Einwanderer (mehr hier).

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