Die letzten Drei: Graduiertenkolleg Islamische Theologie ist nun voll besetzt

Drei weitere Nachwuchswissenschaftler wurden für das Doktorandenstudium am Graduiertenkolleg für islamische Theologie aufgenommen. Vorerst werden keine weiteren Bewerber berücksichtigt. Die Studenten sollen den Grundstein für eine islamische Theologie in Deutschland legen. Doch der Staatsrechtler Christian Walter ist der Ansicht, dass der Staat versuche den Islam zu „zähmen“. Dies sei legitim und deshalb sei ein derartiges Kolleg eingerichtet worden.

Das Graduiertenkolleg Islamische Theologie, welches an den Universitäten Münster, Hamburg, Frankfurt, Osnabrück, Erlangen-Nürnberg, Paderborn und Tübingen eingerichtet wurde, erhält nun drei Nachwuchswissenschaftler. Damit sind alle Stellen des Graudiertenkollegs Islamische Theologie voll besetzt. Das geht aus einer Miteilung der Stiftung Mercator hervor, die den DTN vorliegt.

Bei den Doktoranden handelt es sich um den in Erbil/Nordirak geborenen Dara Alani, der Wiesbadenerin Almedina Fakovic und den Deutschen Florian Lützen. Die drei werden im Bereich der islamischen Mystik forschen. Die Doktorväter werden Prof. Dr. Reza Hajatpourvon der Uni Erlangen, Prof. Dr. Erdal Toprakyaran von der Uni Tübingen und Prof. Dr. Katajun Amirpur von der Uni Hamburg sein.

Derzeit gibt es insgesamt 15 Nachwuchswissenschaftler, die im Rahmen des Graduiertenkollegs an sieben Universitäten forschen. Lautstarke Unterstützer des Kollegs sind Wolfgang Schäuble (CDU), Sebastian Edathy (SPD) und Annette Schavan (CDU). Sie unterstützten das Projekt von Beginn an. Sie sind davon überzeugt, dass damit viel für die Integration der Muslime in Deutschland getan wäre (mehr hier). Denn: Die Imame aus der Türkei sprechen weder Deutsch noch kennen sie die westeuropäische Kultur, meinen sie.

Insbesondere Schavan brillierte als vehemente Verfechterin von ausgebildeten Imamen an deutschen Schulen (mehr hier). „Tatsache ist (…), dass Glaube nicht nur geglaubt, sondern auch  gedacht werden muss. Dazu gehört unter anderem, das Verhältnis zwischen  Religion und Politik zu klären”, erklärte sie 2011 in einem Interview mit der „Zeit“.

Die Ablehnung der islamischen Religion in der Praxis könne sie nicht nachvollziehen. „Manche Christen sehen sehen ja schon ein Anzeichen von Fundamentalismus darin,  dass jemand in der Öffentlichkeit bete”, so Schavan.

Für den Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze sind die islamischen Studien in Deutschland schon jetzt ein Erfolg. Es gebe eine Reihe von Studenten, die aus der Schweiz, Österreich, England und Frankreich nach Deutschland kämen, um teilzuhaben an dem Angebot, berichtet er.

Was hinter dem Projekt steckt ist strittig. Vergangenes Jahr erklärte Prof. Dr. Christian Walter von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, dass der deutsche Staat ein „legitimes Zähmungsinteresse“ des Islams in Deutschland habe. Deshalb sei der Graduiertenkolleg Islamische Theologie eingerichtet worden. Islamische Verbände haben kein Mitspracherecht bei der Auswahl der Kandidaten und bei ihren Forschungsprojekten.

http://www.youtube.com/watch?v=uiD0HjtBQ58

Mehr zum Thema:

Moskau: Islamische Theologie als Waffe gegen den radikalen Islamismus
Rauf Ceylan: Salafisten in Deutschland stellen sich gegen islamische Traditionen
NRW: Islamischer Religionsunterricht beginnt im kommenden Schuljahr

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.