Mordfall Sarai Sierra: Ziya T. will sich an nichts erinnern

Kurz nach Bekanntwerden der Festnahme und Überstellung von Ziya T. an die Polizei in Istanbul ist in der türkischen Presse verwirrendes Filmmaterial aufgetaucht. Es zeigt den mutmaßlichen Mörder, der die Tat zwar gesteht, aber gleichzeitig keine Erinnerungen mehr an Einzelheiten haben will.

Das Video des Haupttatverdächtigen Ziya T. sei an diesem Montag in den Morgenstunden  aufgetaucht, schreibt die türkische Zeitung Hürriyet. Wo es enstanden ist, ist aber ebenso unklar wie die näheren Umstände seiner Aufnahme. Zu sehen ist jedoch Ziya T., der als Hauptverdächtiger im Mordfall der US-amerikanischen Touristin Sarai Sierra gilt. In dem gut eine Minute dauernden Clip spricht er über den Mord an der zweifachen Mutter.

Klebstoff soll Ziya T. die Sinne vernebelt haben

„Ich habe in großen Mengen Klebstoff geschnüffelt und kann mich an keine Details erinnern. Vielleicht habe ich sie mit einem schweren Gegenstand erschlagen“, versucht der 46-Jährige eine Rekonstruktion. Am nächsten Morgen sei dann zurück an den Tatort und habe sie überdeckt. Neun Tage lang habe er sich in der Nähe der Leiche befunden. Am zehnten Tag sei diese gefunden worden und er darauf hin nach Syrien abgehauen. Dort wurde er festgenommen. „Nein, ich bin der Frau nicht gefolgt, sondern befand mich an meinem gewöhnlichen Ort. Dort, wo ich immer Klebstoff zu mir nehme. Dort lief sie vorbei und ich weiß den Grund für das Kidnapping nicht. Ich wusste weder, dass sie Amerikanerin, noch Touristin gewesen ist.“

Der Tatverdächtige konnte am vergangenen Samstag dank intensiver Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten und Sicherheitskräften gefasst werden, als er versuchte von Syrien in die Türkei einzureisen (mehr hier). Nach seiner Festnahme im Distrikt Reyhanlı wurde er nun nach Istanbul überstellt.

Hauptverdächtiger hat sich nicht freiwillig gestellt

Wie der Istanbuler Gouverneur Avni Mutlu der Presse unterdessen mitteilte, würden die Untersuchungen nun weitergehen. Über die näheren Umstände der Verhaftung von Ziya T. machte er keine Angaben. „Entscheidend ist, dass der Mörder gefasst wurde und dass er gestanden hat“, ist für Mutlu die Sache offenbar schon jetzt völlig klar. Was von nun an zähle sei, dass er sich in den Händen der Polizei befände. Gerüchte, dass der Verhaftete sich gestellt habe, wurden von Polizeichef Hüseyin Çapkın jedoch dementiert. Er habe nicht aufgegeben, so Çapkın zu Reportern. Er sei entdeckt worden, ein Verdienst, der auf wochenlange Arbeit der Polizei und Sicherheitskräfte aus Hatay und Istanbul zurückggehe.

Wie die Zeitung weiter berichtet, soll das Team das gleiche gewesen sein, das auch im Fall des Bombenanschlags von Cilvegözü ermittle, der im vergangenen Monat 14 Todesopfer gefordert hatte (mehr hier). In der Nacht des 16. März soll das Team Latakia über Hatay erreicht haben. Dort habe man das Hotel umstellt, in dem sich Ziya T. aufgehalten habe. Zu einem Kampf soll es anschließend nicht gekommen sein.

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