Istanbul: US-Amerikaner wird syrischer Premier der Übergangsregierung

Die syrische Exil-Regierung in Istanbul hat den Kurden Ghassan Hitto zu ihrem Premier gewählt. Der US-Bürger Hitto soll ein Kabinett für den Norden und Osten Syriens bilden. Beide Regionen stehen unter der Kontrolle der Rebellen. Doch Hitto ist bekannt für seine Nähe zu den islamistischen Muslimbrüdern.

Die syrische Opposition hat in Istanbul Ghassan Hitto zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung gewählt. An der Wahl waren 48 Mitglieder der „Nationalen Koalition“ beteiligt. 35 von ihnen entschieden sich für Hitto. Der 50-jährige Hitto ist ein kurdischstämmige US-Bürger und hat über Jahrzehnte in Texas gelebt. Er ist IT-Manager und Mitglied der in den USA ansässigen „Islamic Services Foundation“. Dort hat er den Vorsitz in der islamischen Privatschule „Brighter Horizons Academy“. Derzeit lebt er in Istanbul, wo er sich aktiv gegen die syrische Regierung beteiligt (mehr hier).

Dass die Wahl in Istanbul stattfand, ist exemplarisch für den Syrien-Konflikt. Denn die Türkei ist aktiv beteiligt am Ausmaß des Bürgerkriegs. Vergangenen Monat saget der US-Wissenschaftler Soner Çağaptay im Gespräch mit den DTN, dass die Türkei „tief drin steckt“ in dem Konflikt. Die Türkei beherberge Elemente der syrischen Opposition und sei mutmaßlicher Lieferant von Waffen an die syrischen Rebellen. Ankara hatte dies immer abgestritten.

Insgesamt ist Ghassan Hitto bekannt als islamischer Aktivist und war ein Favorit der Muslimbrüder, berichtet die New York Times. Doch auch bei den liberalen Vertretern der „Nationalen Koalition“ ist er sehr beliebt. Denn er setzt sich nicht nur für islamistische Anliegen, sondern auch für die Rechte von ethnischen Minderheiten in Syrien ein.

Doch der Argwohn einiger Oppositioneller gegen den neuen Premier und seine Verbündeten Muslimbrüder ist groß. „Das sind alles Leute, die wir nicht kennen und die zusammengewürfelt worden sind“, beklagt Yamen Hseen, der ebenfalls zur Opposition gehört. Die neue Interimsregierung spiegele nicht die Anliegen des syrischen Volkes und der Revolution wieder. Sie sei das Produkt von fremden Staaten, die sich in der Region etablieren wollen, meint Hseen.

In der Zwischenzeit weitet sich der Syrien-Konflikt auf denLibanon aus. Erstmals ist es zu Angriffen syrischer Kampfjets im Grenzgebiet zum Libanon gekommen. Die USA haben die Kampfhandlungen bereits bestätigt. Dort spricht man von einer „signifikanten Eskalation“ (mehr hier).

http://www.youtube.com/watch?v=ubNY1JleAzQ

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