Syrische Flüchtlinge: Nicht-Muslime wollen eigenes Lager in Mardin

Mitglieder der syrisch-katholischen Kirche, die aus ihrer bürgerkriegsgebeutelten Heimat in die Türkei geflohen sind, hätten gerne ein eigenes Flüchtlingslager. Diesen Wunsch haben sie bereits an offizieller Stelle vorgetragen. Das gab Yusuf Sağ, Patriarchalvikar der syrisch-katholischen Kirche in der Türkei, bekannt.

Derzeit, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, gebe es eine ganze Reihe von Christen in Syrien, die in die Türkei flüchten wollen (mehr hier). Ihnen, als auch jenen, die bereits gekommen sind, würde es zupasskommen, wenn es für sie ein eigenes Flüchtlingslager geben würde, etwa in der südöstlichen Stadt Mardin.

Türkei will alle mit offenen Armen empfangen

Erst am vergangenen Montag kam der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu mit Vertretern der syrisch-katholischen Gemeinde in der Türkei zusammen. In einem offenen Aufruf wandte er sich an alle nicht-muslimischen Communities im Nachbarland. Die Türkei, so seine Botschaft, würde ihre Arme für alle öffnen – ohne religiöse oder ethnische Diskriminierung. Die Gemeindevertreter und Davutoğlu besprachen im Zuge ihrer Zusammenkunft mögliche Unterstützungen, die den Gemeinden im Nahen Osten, vor allem denjenigen in Syrien, entgegen gebracht werden könnten.

Auf eine lange Geschichte der Syrer in der Region verweist auch der syrisch-orthodoxe Erzbischof der Diözese Istanbul, Mor Filiksinos Yusuf Çetin. Diese würden gemeinsam mit ihren „muslimischen Brüdern“ leben. Auch er wünscht sich, dass der Krieg in Syrien so schnell als möglich beendet werde. Die Menschen sollten endlich wieder in Sicherheit ihres Lebens, ihrer Religion und ihres Eigentums leben.

Christen fürchten Rebellen in den Lagern

Warum sich die syrischen Christen nur noch unter ihren Glaubensbrüdern sicher fühlten, erklärt Evgil Türker, der Vorsitzende des Verbandes aramäischer Vereine in der Türkei, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: „In den Flüchtlingslagern sitzen die Rebellen, die al-Nusra-Front und andere Banden, deshalb wollen die Christen dort nicht bleiben. Die Rebellen sammeln in den Lagern junge Männer ein und schicken sie zum Kämpfen über die Grenze zurück nach Syrien. Aber die Christen wollen nicht kämpfen, denn das ist nicht ihr Krieg.“ Schutz würden die christlichen Flüchtlinge daher lieber bei ihren Glaubensbrüdern, den aramäischen Christen der Türkei suchen, obschon es auch von ihnen nicht mehr viele gebe. Von Hungersnöten, Krieg und Verfolgung vertrieben, so heißt es weiter, seien die meisten aramäischen Christen im vergangenen Jahrhundert aus der Türkei ausgewandert. Nur wenige tausend Christen würden heute noch im Tur Abdin leben. Doch diese würden sich nach Kräften bemühen, den Flüchtlingen zu helfen.

Doch die Situation ist angespannt. Die Kapazitäten knapp. Der Verband der aramäischen Vereine in der Türkei habe sich deshalb an die türkische Regierung gewandt, so Türker weiter. Das Amt des Ministerpräsidenten habe nicht nur erlaubt, die christlichen Flüchtlinge aus den Lagern zu holen und privat unterzubringen. Der Staat habe den Christen auch finanzielle Unterstützung zugesagt. Komme es zu einer großen Flüchtlingswelle von Christen, dann were der türkische Staat hier ein eigenes Lager für die Christen aufbauen. „Das hat uns die Regierung versprochen.“

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