35 Millionen Dollar: TİKA greift Tunesien unter die Arme

Die Türkische Internationale Agentur für Zusammenarbeit (TİKA) hat am vergangenen Montag 434 Fahrzeuge an Tunesien geliefert. Sie sind Teil eines mehr als 35 Millionen Dollar schweren Hilfspaketes. Dieses beinhaltet auch Trainingseinheiten für die tunesische Polizei und Gendarmerie des nordafrikanischen Landes.

Die neuen Fahrzeuge wurden im Rahmen einer Feierstunde überreicht, in der der neu gewählte Premier Tunesiens, Ali Larayedh, und der stellvertretende türkische  Ministerpräsident Bekir Bozdağ im Premierministerium in Tunis zusammenkamen. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman. Bozdağ ist der erste ausländische Gast, den der einstige Innenminister Larayedh in seinem neuen Amt empfängt. Unter den Fahrzeugen befanden sich auch Straßenkehrer, Erdbewegungsmaschinen und Motorräder. Derzeit würden noch sechs Polizeifahrzeuge, die für Straßenkämpfe eingesetzt werden können, auf ihre Überstellung am tunesischen Zoll warten.

Hilfen in Höhe von 500 Millionen Dollar an Tunesien

Im Zuge der Zusammenkunft kündigte Larayedh an, dass man die Verbindungen mit der Türkei weiter verbessern und intensivieren wolle. Schon jetzt sei die Hilfe aus der Türkei ein wesentlicher Motor für die Entwicklung des Landes. Diesem Wunsch entsprach auch Bozdağ. Die Türkei hat bereits insgesamt 500 Millionen Dollar an Tunesien offeriert, 100 Millionen Dollar davon sind Spenden, während 400 Millionen als Darlehen ausgewiesen wurden (mehr hier).

In dem Bemühen, die Ausstattung der tunesischen Polizei auf Vordermann zu bringen, wurden nun 30 Allrad-Fahrzeuge, 40 Standard Pick-up-Trucks, 60 Kleinbusse, fünf Busse, 30 Polizeiautos und 100 Polizeimotorräder an das tunesische Innenministerium übergeben. Im Rahmen eines weiteren Großprojekts hilft die TİKA, die seit vergangenem Jahr auch über ein Büro in Tunesien verfügt, die Kommunen des Landes zu stärken, indem sie bei der Verbesserung der Qualität ihrer Dienstleistungen unterstützend zur Seite steht. Zu diesem Zweck wurden insgesamt 32 Müllwagen, 30 Straßenkehrer und 50 Planierraupen an die insgesamt 24 Gemeinden des Landes verteilt.

Bindungen zwischen Tunesien und Türkei werden enger

Seit Tunesiens “Jasmin-Revolution” vor zwei Jahren, die die 23-jährige Herrschaft des Diktators Zine El Abidine Ben Ali beendete, haben die Türkei und Tunesien ihre Zusammenarbeit in vielen Bereichen verstärkt. Erst im Oktober des vergangenen Jahres unterzeichneten beide Staaten eine Kooperationsvereinbarung über Entwicklung und technische Unterstützung. Die Vereinbarung sieht die Zusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Wasser, Infrastruktur, Energie, Tourismus, Bildung und wissenschaftliche Forschung vor. Auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Tunesien und der Türkei haben sich deutlich verändert. Mittlerweile gibt es einen strategischen Kooperationsrat und Pläne in Tunesien eine neue Industriezone ins Leben zu rufen.

TİKA, die insgesamt 35 Niederlassungen rund um den Globus besitzt, hat im Zuge der jüngsten Dürre-Katastrophe ihre Präsenz in Afrika um 30 Prozent erhöht. Die Türkei konnte für das Jahr 2011 den höchsten Anstieg an Ausgaben für staatliche Entwicklungshilfe innerhalb der OECD-Staaten verzeichnen (mehr hier). In den vergangenen fünf Jahren kam so die Gesamtsumme von 4,3 Milliarden US-Dollar zusammen. Fast die Hälfte, nämlich 46.6 Prozent, der staatlichen Hilfen waren 2011 nach Zentral- und Südasien geflossen. 23.9 Prozent des Geldes kamen dem Nahen Osten zugute, 22 Prozent gingen nach Afrika (Ende 2011 wurde das Engagement auch für 2012 zugesagt – mehr hier) und ein mit 6.3 Prozent relativ geringer Anteil schließlich auf den Balkan. Die größte Hilfe erhielten Länder wie Pakistan, Syrien, Afghanistan, Somalia, Kirgistan, Libyen, Kasachstan, Irak, Aserbaidschan und Palästina.

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