Zwangs-Abgabe: Trifft es jetzt die Italiener und Spanier?

Die Ansteckung beginnt in den Köpfen. In Italien und Spanien glaubt niemand, dass es sich bei Zypern um einen Einzelfall handelt.

Die Einlagensicherung war bisher, selbst im Angesicht der Eurokrise, von den Länderchefs der Eurozone nie angetastet worden. Die Rettung Zyperns ist somit ein Präzedenzfall. Am Samstag froren die zypriotischen Behörden zudem alle Banktransfers des Landes ein, um später die Abgaben einzusammeln. Auch das ist in der Geschichte der Eurorettung nie zuvor passiert.

In den Krisenländern Spanien und Italien befürchtet man nun ein ähnliches Vorgehen. Die spanische Zeitung El Pais zitierte dazu einen Vertreter des spanischen Wirtschaftsministeriums. Die schmerzhaften Bedingungen des zypriotischen Hilfspakets, würden nie in Spanien umgesetzt werden, da Zypern ein „einmaliger Fall“ sei. Der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, wollte am Samstag jedoch nicht ausdrücklich dementieren, dass solche Aktionen auch in anderen Staaten der Euro-Zone möglich sind.

El Pais warnt im Leitartikel vor zunehmender Unsicherheit angesichts des unkonventionellen Vorgehens. Investoren und Besitzer von Spareinlagen in Europa würden der Einmaligkeit der Rettung nicht viel Beachtung schenken. Das Einfrieren von Banktransfers sei äußerst alarmierend, denn die ersten Schritte einer Rettungsaktion waren normalerweise Eingriffe in den Schuldenmarkt. Genau das passierte in Italien, als die EZB erklärte italienische Staatsanleihen ohne Limit zu kaufen. Bei der größten italienischen Tageszeitung für Wirtschaft und Finanzen Il Sole 24 Ore, zeigt man sich ebenfalls skeptisch, ob die Aktion einmalig bleibt. Es sei nicht genug zu versichern, dass der Fall Zypern einmalig bleibt, so wie es beim Haircut in Griechenland der Fall war, schreibt ein Redakteur der Zeitung.

Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs errechneten unlängst, dass eine Abgabe von 8,5 Prozent in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Irland rund 205 Milliarden Euro einbringen könnte. Vor allem in Spanien, Irland und Griechenland sei ein solches Szenario denkbar. Die Folgen der beschlossenen Zypernrettung sind bereits offensichtlich.

Die europäischen Aktienmärkte regierten am Montag mit deutlichen Verlusten. Vor allem die Wertpapiere der europäischer Banken stürzten um mehrere Prozent ab. Zudem wird sich der zypriotische Staatsbankrott auch negativ auf Griechenland auswirken. Griechische Banken haben Milliarden auf der Mittelmeerinsel deponiert.

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