Urteil in Frankreich: Kündigung wegen Kopftuch nicht rechtens

In einer wegweisenden Entscheidung hat ein Kassationsgericht in Frankreich ein früheres Urteil aufgehoben und zugunsten einer Muslimin mit Kopftuch entschieden. Dieser war 2008 auf Grund ihrer Bedeckung gekündigt worden. Ein lokales Gericht hatte dem Arbeitgeber zuvor Recht gegeben.

Das Kassationsgericht hat am vergangenen Dienstag entschieden, dass Fatima Afif zu Unrecht wegen des Tragens eines Kopftuchs gekündigt wurde. Die Frau hatte in einem Kindergarten gearbeitet. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman. Einen ähnlichen Fall gab es im vergangenen Oktober in Berlin. Eine Muslima wurde auf Grund ihres Kopftuchs nicht eingestellt. Die Frau klagte und bekam Recht. Die Berliner Richter werteten das Recht der „religiösen Ausübung“ höher als das vermeintliche Recht auf „religiöse Neutralität“ (mehr hier).

In Frankreich ist das Tragen religiöser Symbole wie etwa auch einer jüdischen Kippa, an staatlichen Schulen, die streng säkular ausgerichtet sind, untersagt. Nach Ansicht des französischen Kassationsgerichts könne das im Fall von Fatima Afif jedoch nicht zur Anwendung kommen, da sie Angestellte in einer privaten Einrichtung war. Dort, so die Richter, hätte ihr das Recht auf Ausdruck ihres Glaubens gestattet werden müssen.

Urteil des Gerichts ist wegweisend

Nach der Rückkehr aus dem Mutterschutz im Jahr 2008 wurde Afif vom Kindergarten „Baby Wolf“ in Chanteloup-les-Vignes nordwestlich von Paris von den Mitarbeitern gewarnt, ihr Kopftuch abzunehmen. Als sie sich jedoch weigerte, wurde sie entlassen. Ihre Anwältin, Canan Özenici, erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Cihan, dass die aktuelle Entscheidung des Gerichts von besonderer Wichtigkeit wäre. Sie sei hiermit bindend für private Träger und Unternehmen, Frauen mit Kopftuch zuzulassen. „Von jetzt an  wird es für Unternehmen schwieriger, Frauen wegen ihres Kopftuchs zu entlassen. Die Entscheidung des Kassationsgerichts ist sehr klar.“

Unterdessen hat jedoch der französische Innenminister Manuel Valls sein Bedauern über die Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Sie stelle „das Prinzip der säkularen Bildung in Frage“. Er kündigte bereits an, dem Parlament einen Gesetzesentwurf vorlegen zu wollen, der die Verwendung religiöser Symbole an Orten, an denen Kinder anwesend sind, zu verbieten.

Frankreichs Bürger sind skeptisch gegenüber dem Islam

In Frankreich leben derzeit schätzungsweise etwa sechs Millionen Muslime. Das Land hat damit die höchste muslimische Population innerhalb der Europäischen Union. Auf der anderen Seite zeigt jedoch eine aktuelle Meinungsumfrage, dass 74 Prozent der Franzosen den Islam für eine gefährliche Religion halten. Sie vertreten die Ansicht, der Islam sei sowohl „intolerant“, als auch „inkompatibel“ mit den französischen Werten. Keine gute Basis für das Zusammenleben in einem Staat, in dem 10,7 Prozent der Bevölkerung Muslime sind (mehr hier).

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