Erdoğan: Attentate in Ankara klarer Angriff auf den Friedensprozess

Während seiner Visite in Dänemark hat sich Premier Recep Tayyip Erdoğan zu den jüngsten Attacken in der türkischen Hauptstadt geäußert. Die beiden fast zeitgleichen Anschläge auf das Justizministerium und der Hauptsitz der AKP in Ankara am vergangenen Dienstagabend hatten das Ziel, den laufenden Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der Terrororganisation PKK zu beschädigen.

Am Abend des 19. März ist es in der türkischen Haupstadt Ankara zu zwei fast zeitgleichen Raketenangriffen gekommen. Um 20.45 Uhr wurde ein Raketenangriff mit einer Panzerabwehrwaffe auf den Hauptsitz der AKP verübt. Nur 15 Minuten später wurden zwei Handgranaten in das Gebäude des Justizministeriums geworfen (mehr hier). Als Drahtzieher hinter den Attacken wird die linksextreme Terroorganisation DHKP/C vermutet. Der türkische Premier Erdoğan glaubt jedoch auch, dass das Netzwerk Ergenekon beteiligt gewesen sein könnte. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Das Ziel dieser Angriffe, die geschehen sind, während wir durch einen sehr sensiblen Prozess schreiten, ist eindeutig die Demokratie, die Auflösung des Prozess, unseres nationalen Willens sowie unserer Bruderschaft“, zitiert das Medium den Premier während seiner Rede in einem türkisch-dänischen Forum. Terrorismus sei böse, was auch immer das Ziel sei. Doch eine politische Partei zu attackieren, das wichtigste Element der Demokratie, den nationalen Willen und Pluralismus, sei viel schlimmer.

Erdoğan: Weitere Untersuchungen müssen abgewartet werden

Mittlerweile, so Erdoğan seien die Täter identifiziert. Er vermutet jedoch weitergehende Verbindungen: „Die andere Dimension des Vorfalls ist die Verbindung zu Ergenekon. In der Vergangenheit sind ähnliche Dinge passiert. Sobald die Türkei in einen gesunden Prozess eintritt, treten Verbindungen wie der tiefe Staat oder Ergenekon hervor und es kommt zu dieser Art von Vorfällen.“ Ein klareres Bild würde sich jedoch erst nach der Gefangennahme und dem Verhör der Verdächtigen ergeben.

Bei dem Angriff auf das Justizministerium am vergangenen Dienstagabend wurde die Frau eines Ministeriumsmitarbeiters verletzt. Nach einer Behandlung konnte sie das Krankenhaus jedoch wieder verlassen. Nur wenig Später wurde auch das AKP-Hauptquartier ziel einer Attacke. Die Täter haben Flammenwerfer benutzt und sollen bis ganz in die Nähe des Büros des Premiers vorgedrungen sein.

Schon Tags darauf bekannte sich die DHKP/C auf ihrer Webseite. Erst Anfang Februar war es zu einem Anschlag auf die US-Botschaft in Ankara  gekommen. Auch hierfür zeichnet die Organisation verantwortlich. Der Selbstmordattentäter soll aus Deutschland illegal in die Türkei eingereist sein (mehr hier).

Nevruz-Fest: Ruft Öcalan zum Waffenstillstand auf?

Der aktuelle Angriff geschah zwei Tage vor einem erwarteten Waffenstillstands-Aufruf von PKK-Führer Abdullah Öcalan, der voraussichtlich im Laufe des Nevruz-Festes in Diyarbakır an diesem Donnerstag, den 21. März, erfolgen soll. Der Aufruf wird als ein wichtiger Schritt in der Vorwärtsbewegung der Gespräche zwischen der Regierung und der PKK betrachtet.

Mehr zum Thema:

Türkei: Anschlag auf Partei-Zentrale der Regierungspartei AKP
Kampf gegen den Terror: Deutschland will nur 2 von 170 Terroristen an die Türkei ausliefern
Schlag gegen die DHKP/C: Erneut fast 170 Personen verhaftet


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.