Türkische Schauspielerin Hülya Avşar: „Einige Frauen verdienen es, geschlagen zu werden“

Das autonome Frauenhaus in Istanbul „Mor Çatı“ lehnt nach der empörenden Aussage des türkischen Superstars Hülya Avşar deren Spenden ab. Die Schauspielerin hätte behauptet, dass einige Frauen die Gewalt verdienen würden. Nun schickte das Frauenhaus einen ablehnenden Brief an Avşar.

Die Anlaufstelle bei Frauengewalt in Istanbul ist seit Jahren die Frauenorganisation „Mor Çatı“. Unterstützung fand die Organisation auch durch prominente Namen. Doch jetzt will „Mor Çatı“ die Spenden des türkischen Superstars Hülya Avşar nicht mehr entgegennehmen. Zu Recht, denn die ehemalige Schönheitskönigin hat eine empörende Aussage über die Gewalt an Frauen getroffen: „Intelligente Frauen werden nicht geschlagen, andere verdienen es aber geschlagen zu werden“, zitiert sie das türkische Nachrichtenportal Habertürk.

Die Organisation ist über diesen verblüffenden Satz geschockt. Nun haben sie der Sängerin einen Brief geschickt, in dem steht, dass die Hälfte der Frauen körperlicher Gewalt maßlos ausgesetzt ist, darunter auch Frauen mit hoher Bildung. Die Worte der Prominenten hätten die Organisation zutiefst verletzt. Sie würden diese Aussage als Organisation gegen Frauengewalt nicht dulden können.

Überraschend ist die Bemerkung von Avşar allemal. Zuvor hatte sich die Schauspielerin an der Foto-Kampagne, die auf alltägliche Gewalt gegen Frauen in der Türkei aufmerksam machen sollte, beteiligt. Mit einer drastischen Veränderung stellte die als zeitlose Schönheit verehrte Türkin eine Frau dar, die von ihrem Ex-Mann verprügelt wurde. Mit dick aufgetragenen blauen Flecken und geschwollenen Augen trat Avşar vor die Kamera und zeigte somit ihre Solidarität. Das erste autonome Frauenhaus unterstützt alle Frauen aus allen sozialen Schichten, wenn es um Gewalt, Prügelei, Vergewaltigung oder Belästigung geht.

Das autonome Frauenhaus, „Mor Çatı“, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Gewalt an Frauen – ganz gleich in welcher Region des Landes sie leben. Aus den Daten des Türkischen Statistischen Instituts (TÜİK) im Jahr 2011 ging unterdessen noch hervor, dass Istanbul derzeit als die frauenfreundlichste Stadt in der gesamten Türkei gilt (mehr hier). Nach dem Militärputsch 1980 haben sich vor allem in den türkischen Städten zahlreiche Frauenorganisationen gegründet. In Initiativen und Aktionen versuchen sie seit 20 Jahren die Geschlechterdiskriminierung in der türkischen Gesellschaft zu überwinden.

Anfang vergangenen Jahres schockte ein ehemaliger Polizist, und zwar kein geringerer als ein promovierter Polizeipräsident, mit ähnlichem Gedankengut. Türkische Frauen hätten es selbst zu veranworten, wenn sie von ihren Männern umgebracht würden, so seine Überzeugung. Der türkische Mann könne nun einmal kein Verhalten dulden, das ihm nicht zusagt (mehr hier).

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