Klaus J. Bade: Sarrazins Thesen bedienen den Kultur-Rassismus

Bei seiner Buchvorstellung in Berlin hat der Migrationsforscher Klaus J. Bade gesagt, dass sich der Kultur-Rassismus in Deutschland immer weiter ausbreite. Diese Entwicklung halte er für gefährlich. Er wünsche sich mutige Politiker, die positive Botschaften an die Bevölkerung aussenden.

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade hat am vergangenen Dienstag in Berlin sein neues Buch „Kritik und Gewalt – Sarrazin-Debatte, ‚Islamkritik‘ und Terror in der Einwanderungsgesellschaft“ vorgestellt. Die Vorstellung fand in den Räumlichkeiten des Projekt-Zentrums Berlin der Stiftung Mercator statt.

Weitere Gäste der Stiftung Mercator waren Aydan Özoğuz, Armin Laschet, Naika Foroutan und Cem Özdemir. Im Anschluss an die Buchvorstellung fand eine Diskussion statt.

Bade sagte, dass die gefährliche gesellschaftliche Stimmung, die in anderen Ländern durch anti-muslimische Parteien hervorgerufen werde, in Deutschland schon angekommen sei. Auch ohne anti-muslimische Parteien. Ihm fehlen mutige und optimistische deutsche Politiker. Es mangele an positiven Botschaften an die Gesellschaft. Stattdessen setzen sich die kultur-rassistischen Thesen von Thilo Sarrazin durch. Zudem könne er eine „intentionale Allianz“ zwischen Islamisten und Anti-Islamisten erkennen. Beide haben sozial-paranoide Ansichten und schaukeln sich gegenseitig hoch. Das Ziel: Die Zerstörung des Zusammenlebens.

CDU-Politiker Armin Laschet bemerkte, dass Sarrazins Buch in erschreckender Weise das erfolgreichste Buch der deutschen Nachkriegs-Geschichte ist. Bis 2012 seien 1,5 Millionen Bücher verkauft worden. Sein Werk sei im wahrsten Sinne des Wortes ein „Bekenntnis“, meinte Laschet.  Auch zur „Islam-Kritikerin“ Necla Kelek fand er einige Worte. Mit Kelek könne man keine Diskussion führen. Er habe es selbst erlebt, dass er im Rahmen einer Diskussion mit ihr, vom Publikum als „Schönredner“ abgestempelt wurde. Keleks anti-muslimische Aussagen wurden hingegen vom Publikum gefeiert.

Cem Özdemir hingegen sagte, dass Kelek angriffslustig sei. Die Wucht ihrer Angriffe versetze einen Menschen „von Anfang an in die Verteidigungs-Stellung“. SPD-Politikerin Özoğuz hingegen wies auf den „Missbrauch von Lebensläufen“ durch Necla Kelek hin. Eine Reihe von muslimischen Frauen hätten sich bei ihr über Kelek beschwert. Die Publizistin habe deren Lebensläufe und Erzählungen falsch dargestellt und für ihre Zwecke benutzt.

Auf Nachfrage der DTN in die Runde, ob die NSU-Affäre große negative Spuren bei den Deutsch-Türken hinterlassen habe, antwortete Klaus Bade, dass die Deutsch-Türken nicht den Deutschen – an sich – misstrauen. Das Misstrauen richte sich gegen die Staats- und Sicherheitsorgane.

Daraufhin erklärte Armin Laschet, dass Integration nicht funktionieren könne, wenn eine Minderheit im Land kein Vertrauen in die Staatsorgane habe. Das tiefe Misstrauen der Deutsch-Türken sei mehr als verständlich. Trotzdem plädiere er für die Anstellung von mehr Deutsch-Türken und weiteren Menschen mit Migrations-Hintergrund in den Ämtern und bei der Polizei. Nur so könne man dem Misstrauen entgegenwirken.

Aydan Özoğuz, die selbst im NSU-Ausschuss sitzt, sagte, dass sie eine Menge deutscher Offizieller erlebt habe, die nicht die Größe besitzen, sich vor dem Ausschuss zu entschuldigen. Zudem sei sie nicht sehr optimistisch über die Zukunft. Sie befürchte, dass es keine Veränderung zum Positiven geben werde. Denn dazu fehle der gesellschaftliche Aufschrei, wie man ihn in Norwegen nach dem Breivik-Vorfall erlebt hatte.

Die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan betonte, dass ihr die rechte Szene keine Angst mache, denn die seien sichtbar. Denn die NSU-Affäre und weitere Ereignisse haben gezeigt, dass sich das Problem in der Mitte der Gesellschaft befände. Cem Özdemir bemerkte abschließend, er könne einen „großen Riss“ in den Ansichten der Deutsch-Türken beobachten. Während die Deutsch-Türken in der Vergangenheit vollstes Vertrauen in die staatlichen Institutionen hatten, sei es nun endgültig vorbei damit. Man müsse schon viel tun, um diese Entwicklung umzukehren.

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