Erdoğan greift Rutte an: Homosexualität ist gegen die islamische Kultur

In der aktuellen Debatte um türkische Kinder in christlichen oder gleichgeschlechtlichen Pflegefamilien hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan sich noch einmal vehement gegen eine solche Vorgehensweise europäischer Jugendämter gestellt. Während einer Zusammenkunft mit seinem holländischen Amtskollegen Mark Rutte bezeichnete er Homosexualität als eine „sexuelle Wahl“, die im Widerspruch zur Kultur des Islam stünde.

Der Fall des neunjährigen Yunus, der als Baby von einem lesbischen Paar in den Niederlanden aufgenommen wurde, lässt sowohl die türkische als auch die niederländische Öffentlichkeit nicht ruhen. Zuletzt wechselten die beiden Frauen aus Angst vor möglichen Konsequenzen seitens der türkischen Behörden sogar den Wohnort (mehr hier). Nachdem bereits der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ die türkischen Vertreter im Ausland um Starthilfe in den Bemühungen, Yunus zurückzuholen, gebeten hat, setzen nicht wenige nun alle Hoffnungen auf die Visite von Premier Recep Tayyip Erdoğan, der sich jetzt in den Niederlanden mit seinem Amtskollegen Mark Rutte getroffen hat.

Während der Zusammenkunft mit Rutte machte Erdoğan aus seinen erz-konservativen Ansichten zum Thema gleichgeschlechtliche Liebe keinen Hehl. Homosexualität, die als  „sexuelle Wahl“ bezeichnet werde, stünde im Widerspruch zur Kultur des Islam, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. „Wir sollten Yunus in sichere Hände übergeben“, so der türkische Premier während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rutte weiter. Ein sechs Monate altes Baby könne eine solche Entscheidung nicht treffen. Deshalb müsse die Justiz für ihn entscheiden. Denn dies könnte zu einem großen Fehler führen.

Der heute neunjährige Bub ist niederländischer Staatsbürger. Er wurde von den beiden in Den Haag lebenden Frauen bereits vor vielen Jahren adoptiert. Nun hat sich jedoch seine biologische Mutter zurückgemeldet. Im niederländischen öffentlich-rechtlichen TV-Sender NOS verkündete sie, ihren Sohn wieder haben zu wollen.

Mark Rutte will Yunus‘ Fall nicht auf Ministerebene diskutieren

Mittlerweile ist der Fall zu einem Politikum geworden. Zuletzt hatte Erdoğan NGOs aufgefordert, sich in die Sache einzubringen. Der niederländische Ministerpräsident Rutte sieht das jedoch ganz anders. Er betrachtet Yunus‘ Fall als interne Angelegenheit seines Landes. Dass so etwas überhaupt auf Ministerebene diskutiert werde, so das Blatt weiter, sei nicht in seinem Sinne.

Die Türkei hat jüngst eine Kampagne gestartet, mit der Kinder von türkischen Migrantenfamilien, die in Europa leben und von Ausländern aufgezogen werden, zurückgeholt werden sollen. In der Türkei vertritt man die Ansicht, dass die Kleinen stattdessen in Familien aufwachsen sollten, in denen ihre kulturelle Identität bewahrt werden könne. Unterdessen forderte auch Niedersachsens einstige Sozialministerin Aygül Özkan Türken in Deutschland auf, sich verstärkt als Pflegeeltern zu engagieren (mehr hier).

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