Die neue Türkei: Öcalan beruft sich auf Nationalpakt von 1920

Öcalan ruft den Nationalpakt von 1920 in Erinnerung. Den hätten Kurden und Türken gemeinsam geschlossen und seien gleichberechtigte Partner im Befreiungs-Krieg gewesen. Er müsse wiederbelebt werden. Doch der Nationalpakt sah keine föderale Lösung vor, sondern war darauf ausgerichtet, eine einheitliche Nation zu schaffen. Öcalan hingegen spricht von Selbstverwaltung und dem Konföderalismus.

Abdullah Öcalan hat in seiner Botschaft zum kurdisch-türkischen Neujahrsfest Nevruz verkündet, dass der Nahe Osten vor einer Neuordnung steht. „Wir werden uns verbünden gegen jene, die uns gegeneinander aufhetzen und uns spalten wollen“, zitiert ihn die kurdische Zeitung Özgür Gündem.

In diesem Sinne rufe er den Nationalpakt (Misak-ı Millî ) von 1920 in Erinnerung, der die Vereinigung aller kurdisch besiedelten Gebiete mit der Türkei vorsah. Jener Nationalpakt galt als Manifest der türkischen Unabhängigkeits-Bewegung. Öcalan ist der Ansicht, dass der Nationalpakt ein Ausdruck des türkischen und kurdischen Freiheits-Willen gewesen ist. Faktisch zeichnete der Pakt die neuen Grenzen des türkischen Staates.

Dazu gehörte auch der heutige Nordirak, Nord-Ost Griechenland (Thrakien), Batum in Georgien und Aleppo in Syrien. Doch zur Einverleibung des Nordirak kam es nicht und die Türkei blieb bis heute in ihren derzeitigen Grenzen. Die Kurdengebiete außerhalb der Türkei seien zu Unrecht anderen Staaten zugesprochen worden.

Abdullah Öcalan möchte, dass die abgespaltenen Kurdengebiete in die Türkei integriert werden und es zu einer konföderalen Lösung kommt. Den Kurden würde man dadurch eine weitreichende Autonomie zusprechen. Doch politisch und wirtschaftlich sollen sich die Kurdengebiete unter dem Dach der türkischen Nation befinden. Voraussetzung sei, dass die neue türkische Verfassung keinerlei Anspielungen auf ein einziges Staatsvolk mache. Kritiker dieses Vorschlags vermuten eine Mogelpackung und befürchten eine schrittweise Sezession und folglich einen Bürgerkrieg wie in Jugoslawien.

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